Sagen
Nelly 20. April 2008
Sagen der Heimat und der Umgebung
Die Heidenhöhlen
Weit bekannt sind die so genannten Heidenhöhlen oder Heidenlöcher bei Zizenhausen und Überlingen. Über den Ursprung und den Zweck dieser Höhlen hat man nur unsichere Vermutungen. In der Umgegend glaubt man allgemein, dass sie den ersten Christen am Bodensee bei den Verfolgungen als Schlupfwinkel dienten. In schriftlichen Aufzeichnungen findet sich nirgends eine Spur über die Begründer und ersten Bewohner dieser Gewölbe. Auch hat man in den Höhlen keine Funde an Gefäßen und Bildern gemacht, welche auf den Ursprung und ursprünglichen Zweck hindeuten. (Badisches Sagenbuch)
Schon um 1750 ließ der Magistrat der Reichsstadt Überlingen den weitaus größten Teil der Höhlen zerstören, weil viel schlechtes Gesindel sich darin aufgehalten hatte. Unter anderem auch „Fidele” der Schinderhannes jener Gegend, der durch den Rauch verraten, in den Heidenlöchern gefangen genommen wurde. Als in den Jahren 1846/48 die Strasse am See entlang gebaut wurde, musste der unmittelbar am See gelegene Felsen mit dem größten Teil der Höhlen der Straßenlage zum Opfer fallen.
Die Heidenhöhlen “Der Ochsensprung”
Die höchste Felsenwand heißt der Katharinenfelsen. Auf einem Acker über dem Felsen pflügte dereinst ein Landmann mit einem Paar Ochsen, die von seinem Töchterchen geführt wurden. Der Tag war heiß, die Tiere unruhig und von Mücken geplagt. Da fiel plötzlich ein Schwarm Bremsen die Tiere an. Diese wurden scheu und rasten mit dem Pflug, das Mädchen mit sich schleppend, über die turmhohe Felswand in den See hinab. Händeringend steht und schaut der Bauer. Da erhellt ein Hoffnungsstrahl sein Herz. Er macht ein Gelübde, am jenseitigen Ufer des See’s eine Kapelle zu Ehren der hl. Katharina zu bauen, wenn sein Kind gerettet würde. Die Tiere gelangten schwimmend mit Kind und Pflug am jenseitigen Ufer an. Der Bauer erfüllte sein Gelübde. Später baute das Kloster Reichenau in der Nähe eine Propstei mit hübschem Garten, wo sich der Abt im Sommer gerne aufhielt. Längst ist die Propstei samt St. Katharinenkapelle zerfallen und abgebrannt. Der Klostergarten ist wieder zu Wald geworden. Auch die St. Katharinen Kapelle, die später am diesseitigen Ufer entstanden war, fiel dem Straßenbau zum Opfer und ist durch eine in Sandstein gehauene Nische mit der Statue der Hl. Katharina und einer Betbank ersetzt.

Hödinger Tobel und “auf dem Stein”
Wenn man von Überlingen gegen Goldbach geht, so gelangt man auf einem Felsenweg zu dem sog. „Stein” bei den drei Kruzifixen. Hier wurde vor Zeiten im Monat Mai jährlich das freie Land und Maiengericht mit 12 Schöffen nach altdeutscher Sitte unter freiem Himmel gehalten. Noch ist der Sitz des Präsidenten in Felsen gehauen sichtbar, und es sind noch drei Kreuze mit Christus und den 2 Schächern vorhanden. Um Pfingsten wurde an dieser Stelle auch die Wahl und die Beeidigung des Bürgermeisters, des Amtmannes und der Mitglieder des kleinen Rats der freien Reichsstadt Überlingen vorgenommen. Durch eine merkwürdige in Sandstein gehauene Hohlgasse, in welche kaum ein Sonnenstrahl von oben eindringen kann, gelangt man in das fast ganz von Felsen umgebene Dörfchen Goldbach am Flüsschen gleichen Namens, das neben der Aufkirch eines der ältesten Kirchen der Gegend hat. Sie ist dem hl. Sylvester geweiht und besitzt wertvolle Wandgemälde aus der Karolinger Zeit (etwa um 800). Der Hödiger Tobel war einst die Grenze zwischen Hegau und Linzgau.

Das Fräulein von Kargegg und der Ritter von Haldenburg
(Hero und Leander am Bodensee)
Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten zusammen nicht kommen das Wasser war viel zu tief.
So singt ein altes Volkslied, und die griechische Sage berichtet von einer Priesterin der Göttin Aphrodite zu Sestos am Hellespont mit Namen Hero, deren Geliebter Leander aus Abithos allnächtlich zu ihr über den Hellespont schwamm. Als er bei einem Sturm ertrank, stürzte sie sich aus Gram und Verzweiflung ins Meer. Grillparzer behandelt diese Sage in seinem Trauerspiel „Des Meeres und der Liebe Wellen.” Aber auch am Bodensee ist das tragische Geschick der Liebenden nicht fremd. Die Sage überträgt die Erzählung auf ein Fräulein von Kargegg und einen Ritter von Haldenburg und in einer anderen Fassung auf die Burgen Bodman und Hohenfels. Am jenseitigen Ufer des Überlinger Sees hebt sich vom waldigen Hang ein steiler Fels ab, auf dem die Burg Kargegg einst stand. Auf dieser Burg lebte ein Ritter mit seiner Tochter Fortunate, die den Besitzer der gegenüberliegenden Haldenburg liebte. Der Vater des Fräuleins aber wollte diese Minne des Fräuleins nicht dulden, weshalb die Liebenden eine List ersannen, um trotz des väterlichen Verbots zusammen zu kommen. Jeden Abend, wenn das Burgfräulein allein war, stellte sie ein Licht ans Fenster. Sobald der Ritter von Haldenburg das Licht sah, schwamm er durch den See zu seiner Geliebten. Wenn der Himmel zu dämmern begann, kehrte er auf gleiche Weise zurück. Lange ging es ganz gut. Als aber eines Morgens der Jüngling heimkehren wollte, überraschte ihn mitten im See ein Sturm. Vergebens kämpfte der kühne Schwimmer gegen die gewaltigen Wogen, die Kräfte verließen ihn, und die Fluten zogen ihn hinab. Nach kurzer Zeit gab der See sein Opfer zurück. Das Fräulein aber entsagte der Welt und ging ins Kloster. Sie war die letzte ihres Stammes. Burg Kargegg wurde im Bauernkrieg zerstört. Dieselbe Sage geht auch von den benachbarten Burgen Bodman und Hohenfels. Ein Ritter von Hohenfels schwamm mit einem brennenden Licht auf dem Kopf, das als Wegleuchte und zugleich als Signal diente, zu einem Fräulein zu Bodman über den See. Einst aber wurde er vom Sturm überrascht, der das Licht auslöschte, und den Ritter in die Tiefe zog; das Fräulein aber nahm darauf den Schleier. (Bad. Sagenbuch)

Das Nebelmännlein
Ein Ritter von Bodman wollte die Welt ausreiten. Er nahm von seiner Gemahlin Abschied mit dem Bedeuten, dass wenn er binnen 7 Jahren nicht zurückkehrt, sie ihn für tot halten und, wenn sie wolle, sich wieder verheiraten dürfe. Von ein paar Knappen begleitet, machte der Ritter sich auf den Weg und zog übers Meer in unbekannte Länder. Nachdem er schon einige Zeit gereist war, kam er in eine wilde Einöde, wo er eines Abends auf einem hohen Berge ein Licht schimmern sah. Er schickte einen Knappen hinauf, um zu erfahren, ob Menschen da wohnen, bei denen man Herberge finden könnte. Der Diener ging, kehrte aber nicht wieder, ebenso der zweite und der dritte. Endlich nach langem Harren machte sich der Herr selbst auf den Weg. Oben angekommen, findet er in einem kleinen Haus ein Weiblein, das ihn mit bedächtiger Miene begrüßt und ihm sagt, ihr Mann sei das Nebelmännlein und ein grausamer Feind der Menschenkinder, wolle er das Schicksal seiner Diener nicht teilen, so müsse er sich schleunigst von hinnen machen. Während sie aber sprach, hörte man jemand kommen, und das Weib sagte, „Ich will euch verbergen, schlüpft dort hinunter in den Keller!” Der Ritter gehorchte. Das Nebelmännlein aber ließ sich nicht täuschen. „Ich wittere Menschen” schnauzte er gleich beim Eintritt „ein Mensch muss da verborgen sein.” Und näherte sich dem Kellerloch. Der Ritter, der sich entdeckt sah, trat heraus. Aber wie erstaunte er, als der Alte ihn nicht unfreundlich mit Namen begrüßte. „Woher wisst ihr wie ich heiße?” fragte er verwundert. „Ich weiß noch mehr” sagte der Nebelmann. „Morgen früh wird eure Gemahlin in der Schlosskapelle zu Bodman getraut, die 7 Jahre, die ihr bedungen habt, sind längst verflossen.” Den Ritter traf das Wort wie ein Wetterstrahl, das Nebelmännlein aber fuhr fort „Ich will einen Vertrag mit euch abschließen. Wißt, ich bin der Nebelmann vom Bodensee, und die Nebelglocke, die jeden Abend in Bodman geläutet wird, schlägt mir jedes Mal bummelnd um den Kopf. Wenn ihr mir versprecht, das leidige Ding für ewige Zeiten in den Bodensee zu versenken, so will ich euch noch vor Tagesanbruch in die Heimat schaffen.” Der Ritter willigte ein, worauf der Nebelmann einen seiner dienstbaren Geister berief und ihn befragte wie schnell er sei, „Wie der Pfeil vom Bogen” lautete die Antwort. „Du bist zu langsam,” versetzte der Nebelmann, und zitierte einen zweiten: „Wie schnell bist du?” „So schnell wie der Wind.” „Zu langsam” hieß es, und ein dritter wurde gerufen. „So schnell wie die Gedanken der Menschen,” antwortete dieser. „Du bist der Rechte – auf ihn und davon!” Der Ritter wusste nicht wie ihm geschah. Als er erwachte, lag er auf dem Gänsriedersteg zu Bodman. Lieblich von der Sonne beschienen, glänzte der See und die heimatliche Burg, die Glocken riefen zur Kirche. Bei dem Festmahl, das der Trauung folgte, wird der Fremde, im Schlosshof stehende Pilgrim hereingerufen, und ihn ein Ehrenplatz angewiesen. Die Braut selbst kredenzt ihm den üblichen Trunk. Der Ritter lässt seinen Ehering in den Becher fallen und die gute Frau, als sie ihm Bescheid tun will, sieht das Zeichen auf des Bechers Grunde liegen. Sie wird aufmerksam und erkennt in dem Gast den tot geglaubten Gemahl und alles endet in Freude. Der Ritter aber löst getreulich sein Versprechen wegen des Nebelglöckleins ein. Noch soll zuweilen bei niederem Wasserstand die versenkte Nebelglocke zu sehen sein. Das Nebelmännlein aber hat seinen Sitz im „Löchle”, einer angeblich ungeheuren Tiefe des Sees bei Bodman, welcher Fleck niemals zufriert. In stillen Nächten steigt der silberbärtige Alte auf, die Schiffsleute beirrend und mit kaltem Reif die Reben schädigend.

Das leichte Schneiderlein
Der Halbmond ist eine schroff aufsteigende Felswand unweit der Kargegg. Ein harmloses Schneiderlein aus einem nahen Dorfe suchte einst im Walde nach Haselnüssen. An der dicht bewachsenen Felsenwand machte er einen Fehltritt und stürzte in die Tiefe. Als er aus der Betäubung erwachte, ist er völlig unverletzt. Da gelobt er eine Wallfahrt nach Einsiedeln, um dort dem Gnadenbild so viele Pfund wachs zu opfern, als sein eigenes Körpergewicht betrage. Am fernen Gnadenorte angekommen, lässt er sich wiegen. Und siehe! Sein Gewicht beträgt kaum 10 Pfund. Misstrauisch besteigt er zum zweiten mal die Waage. Da sieht er gar nur 5 Pfund. Jetzt merkt er, wie gut es die Muttergottes mit ihm meint. Er opfert gläubig nach Maßgabe des reduzierten Gewichts und zieht fröhlich von dannen.

Ein Schloss versinkt in der Christnacht
An der Landstraße, welche durch das Stockacher Tal nach Owingen und Überlingen führt, liegt links, ehe man zum Dorfe Malspüren kommt, auf dem ziemlich steilen Rücken des etwa 60 Meter hohen Heubergs der sog. Schlossbühl. Auf diesem wallartigem Erdwerk erhob sich in alten Zeiten ein mächtiges Schloss, welches gegen Westen durch ein tiefes Tal von einem gegenüberliegenden Höhenzug, der Hinterburg genannt wird, getrennt war. In diesem Tale ward der durchfließende Bach zum See gestaut und dadurch der Schlossbühl sehr fest gemacht, weil er nur von Norden her auf schmalem Bergrücken einen Zugang bot. Wer diese Burg bewohnte, weiß niemand mehr. Die Sage erzählt, dass böse und leichtsinnige Ritter in ihr hausten, und dass, als dieselben in einer Christnacht bis gegen Morgen dem Tanzvergnügen fröhnten, ihr festlich beleuchtetes Schloss mit Mann und Maus spurlos in die Erde versank, während die Glocken in der Umgebung zur Christmette riefen. Seitdem sind Burg und Ritter verschwunden, nur ein altes Schlossfräulein musste von Zeit zu Zeit auf dem Heuberg geistern. Leute, welche zur Adventszeit am Schlossbühl Geld suchten, hörten dies Weiblein oft rufen. Dasselbe erschien einst auch Hirten aus der Nachbarschaft, indem es ihnen „z’nüne bringen wollte”. Als es in dieser Absicht sein mitgebrachtes Weißbrot mit einem silbernen Messer schnitt, haschte ein Hirte nach demselben, um es dem Weiblein zu entreißen. Dieses aber erhob ein gellendes Geschrei und verschwand spurlos. Seither scheint der Schlossgeist auf dem Heuberg erlöst zu sein, denn das Weiblein ward nie mehr gesehen, auch nicht mehr gehört.

Der Graf Ebbo und der Eberhard von Nellenburg
Ums Jahr 1000 lebte auf der Nellenburg Graf Ebbo mit seiner Gemahlin Hedwig. Die Geschichtsforscher nennen Ebbo einen grimmigen Löwen, einen Feind der Kirche, einen Wüterich, seine Gemahlin war aber sanft wie eine Taube, Gottesfürchtig und Mildtätig. Jede Nacht erhob sie sich von der Seite ihres Herrn und las zur Mette in einem Psalter. Längst darüber erbost, hatte Ebbo die Wiederkehrende mit Schmähungen empfangen, aber er vermochte nicht, sie von dieser frommen Gewohnheit abzubringen. Da ergriff er einst, während sie im festen Schafe lag, den Psalter, ging damit in die Küche und steckte ihn in die noch glühende Asche des Herdes. Doch siehe da! Die Köche fanden das Buch am andern Morgen noch unversehrt vor. Von diesem Augenblick an war der grimmige Graf wie umgewandelt. Gott belohnte sein und seiner Gemahlin frommes Leben durch einen kräftigen Sohn, Eberhard, der gar ein mächtiger und angesehener Herr wurde und viel Gutes tat. Sein wichtigstes Werk war die Gründung des Klosters Allerheiligen bei Schaffhausen. Lange suchte er nach einem passenden Platz für seine Stiftung, da sah der Fährmann am Rhein nächtlicherweile, im Traum eine Rute, mit einem goldenen Kreuz aufsteigen, die bis an den Himmel reichte. Das nahm Graf Eberhard für ein Zeichen und errichtete an der betreffenden Stelle zunächst eine Kapelle, St. Eberhardskapelle genannt. Später baute er das Kloster aus und starb daselbst als Mönch.

Ein ungeratener Sohn
Ein Graf von Nellenburg hatte einen ungeratenen Sohn. Er wurde dieserhalb auf die Hildisburg bei Burgtal verbannt. Von hier aus machte er die ganze Gegend unsicher, indem er raubte und plünderte, wo sich die Gelegenheit dazu bot. Auch vor Mord und Totschlag schreckte er nicht zurück. Schließlich wurde er vom Volke erschlagen. Von der Hildisburg ist heute keine Spur mehr zu finden, sie soll im Schwedenkrieg zerstört worden sein. Der Name Hildisburg aber hat sich als Gewanname erhalten.

Erscheinung auf der Hildisburg
Die Hildisburg ist eine alte Schlossruine auf einem Bergkegel bei Burgtal. In früheren Jahren hausten dort Raubritter. Im Schwedenkrieg wurde diese Burg zerstört. Einst ging ein Vater mit seinem Sohn an der Hildisburg vorüber, es war in der Andreasnacht. Da erblickten sie zwei Schwerter in der Luft, die sich zu einem Kreuze formten. Sie zuckten einige Minuten in der Mondnacht über den Berg und führen dann unter gewaltigem Brausen und Sausen in die Lüfte.

Der Reiter ohne Kopf
Im Nellenburger Walde ist manchmal ein Reiter ohne Kopf beobachtet worden. Kommt man ihm näher, so ist er plötzlich verschwunden. Der Wanderer aber hat Mühe, den richtigen Weg wieder zu finden.

Der Geist im Pfarrwald
Im Pfarrwald ist in dunklen Nächten oft eine Gestalt zu sehen, die mit einem Licht zwischen den Bäumen einher geht, als ob sie etwas suche. Kommt man ihn die Nähe, so erlischt das Licht plötzlich und die Geistererscheinung ist verschwunden.

Der weiße Mann
Auf dem Nenzinger Sträßle erscheint im Walde öfters ein großer, starker Mann mit weißem Mantel angetan. Er tut niemand was zuleide. Ein beherzter Mann aber wollte einst wissen, was es mit der rätselhaften Erscheinung für eine Bewandtnis habe. Er begab sich an den geheimnisvollen Ort und erblickte auch wirklich das Gespenst. Er fragte dasselbe nach seinem Tun und Treiben. Anstatt einer Antwort, erhielt er aber, auf wiederholtes Fragen, von unsichtbarer Hand ein paar kräftige Ohrfeigen, sodass er in den Graben fiel. Seitdem vermied er, diesen unheimlichen Weg bei Nacht zu gehen.

Der versperrte Weg
Eine Frau hatte tagsüber auf der Nellenburg gearbeitet. Am Abend, es war schon stark dunkel, trat sie den Heimweg nach Hindelwangen an. Als sie durch den Wald kam, fand sie den Weg dermaßen mit Holzbeigen verstellt, dass es ihr unmöglich war, weiter zu gehen. Sie musste wieder zurück zur Nellenburg.

Die Waschfrau
Eine arme Waschfrau hatte aus Not und Verzweiflung in der Stockacher Aach zwischen Hindelwangen und Zizenhausen ihr Kind ertränkt. Nach dem Tode der Frau hörte man manchmal am Bach entlang jammern und weinen. Noch lange sah man in stillen Nächten eine Frau am Bache waschen und vernahm leises Wimmern und Wehklagen.

Der Geist in der Mühle
In einer Mühle kam vor Jahren mal ein Handwerksbursche und bat um Nachtherberge. Er wollte mit einer Bank in der Stube vorlieb nehmen. Der Müller aber wollte ihm das ausreden mit den Worten: „Ihr würdet eine schlechte Nachtruhe haben, denn es ist hier nicht geheuer, alle Nächte komme der Großvater als Geist.” Der Wandersmann aber erwiderte, „Vor einem Geist fürchte ich mich nicht.” Er legte sich auf die Bank und schlief, da er sehr ermüdet war, auch bald ein. Der Müller begab sich ebenfalls zur Ruhe. Um Mitternacht aber erwachte der Handwerksbursche an einem merkwürdigen Geräusch. Als er die Augen aufschlug, sah er einen Mann durch die Stube schreiten, der unter fortwährendem Gemurmel: „Erbes, Erbes” Erbsen auf den Boden streute. Die ganze Stube voll, sodass der Schläfer fast erstickte. Dieser hätte gerne um Hilfe gerufen, aber er brachte keinen Ton heraus. Am Morgen war der ganze Spuck verschwunden und der Handwerksbursche konnte seinen Weg fortsetzen.

Der schwarze Mann
Ein Mann ging einst in der Andreasnacht (30. November) von Zoznegg nach Burgtal. Es war zwischen 11 und 12 Uhr nachts. Da vernahm er plötzlich ein Kesseln und Rasseln, und eine Stickluft kam ihm entgegen. Als er am Waldrand angekommen war, hörte er im Laube ein Rauschen, vernahm aber keine Tritte. Neben ihm stand plötzlich eine schwarze Gestalt. Schuhe sah man keine. Der schwarze Mann hatte ein Buch unter dem Arm. Auf eine Anrede gab er keine Antwort. Er begleitete aber den späten Wanderer bis mitten in den Wald an einem Kreuzweg. Hier verbreitete sich wieder ein unheimlicher Geruch und es fing unheimlich stark zu stürmen an, dass sich der Mann an einer jungen Fichte festhalten musste. Als der Wind nachließ, war die Gestalt verschwunden. (Mündliche Überlieferung)

Der Schimmelreiter
Das Schloss Münchhöf war, wie schon der Name andeutet, früher Mönchsgut und gehörte dem Kloster Salem, das hier eine Verwaltungsbehörde (Amt) hatte. So herrschte zwischen Salem und Münchhöf häufiger Verkehr. Auf dieser früheren Zusammengehörigkeit, beruhte die Sage vom Schimmelreiter. Darnach wurde manchmal ein schwarzer Reiter mit einem Buch in der Hand auf einem weißen Pferde gesehen, der von Salem durch das Winterspürer Tal über Stockach Hindelwangen nach Münchhöf und zurück ritt.

Die Pest in Steißlingen
Das Jahr 1635 des 30 jährigen Krieges war für die Gegend des Hegaus eines der Schlimmsten. Der durch Mangel an Arbeitskräften entstandene schlechte Ausfall der Ernten, die oft noch verwüstet waren, die Einlagerungen und Durchzüge fremder Truppen und so manches Andere erzeugten Nahrungsnot, Krankheiten, Seuchen und allgemeines Elend. Die Erinnerung an diese traurigen Zeiten ist heute noch nicht ganz erloschen. Noch erzählt man über die Pest, dass in des Pfarrers Garten mehrere Pestkranke wie toll herumgetanzt, Grasbüschel ausgerauft, in den Mund gesteckt und plötzlich tot zur Erde gefallen seien. Leute die ihnen aus benachbarten Häusern zugesehen hätten, seien als Leichen unter den Fenstern liegen geblieben. (Bad. Sagenbuch)

Der schlecht beerdigte Franzose
Außerhalb der Lochmühle bei Eigeltingen soll im Jahre 1813 ein Franzose so schlecht beerdigt worden sein, dass er einen Arm aus der Erde herausgestreckte. Die Franzosen waren mit den Einwohnern so grausam verfahren, deshalb scheute man sich nicht, selbst an dem Toten sich noch zu rächen, indem man ihn beim Vorübergehen jedes mal auf den Arm schlug. An dieser Stelle geistert es noch jetzt

Das Wachholzwible führt irre
Im Wachenholz, einem Wald bei Eigeltingen, befindet sich das Wachholzwible. Das ist eine kleine alte und gebückte Frau mit einem großen Stock, einem Korb in der Hand und einer schwarzen Pelzkappe auf dem Kopf. Sie erscheint nachts den Fuhrleuten und führt sie irre.

Hexe melkt Milch aus dem Handtuch
In Orsingen lebte eine alte Frau, die man für eine Hexe hielt. Sie legte zwei Roggenhalme kreuzweise in den Melkkübel, murmelte ihren Zauberspruch und konnte dann aus dem Handtuch die beste Milch herausmelken, soviel wie sie nur wollte. Auch Hagelwetter konnte sie machen, und am Karfreitag vergrub sie jeweils Löffel unter die Dachtraufe. (Bad. Sagen v. Johs. Künzig.)
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