Von der Schule

Kessi 11. Juni 2008

Der Name Hindelwangen erscheint urkundlich, wie wir schon anfangs erfahren haben, erstmals im Jahre 1138. Im Jahre 1275 erscheint auch die Kirche als Ecclesia Hundelwanch in dekamato Thundewanch. Sie muss jedoch schon älter sein, denn schon 1243 wird als Leutpriester ein Konradus Phlebanus de Hundelwanc genannt. Aber erst mehr als ein halbes Jahrtausend später wird uns Kunde von der Schule.

Öffentliche Schulen gab es lange nicht, daher konnten nur wenige Menschen lesen und schreiben. In deutschen Landen war es die Kirche die zuerst für den Unterricht des Volkes sorgte, und so wurden die ersten Schulen an Klöstern errichtet. Dann nahmen sich die Städte der Schulen an, und erst nach und nach fand sie auf den Dörfern Eingang. Sie wurden dort mit den Messnereien verbunden. Als Lehrer wurden geschickte und begabte Personen, oft Handwerker wie Schneider, Schuster, Weber usw. angestellt und die unterrichteten die Kinder meist in ihren Werkstätten neben ihrer Arbeit im Lesen, Schreiben und Rechnen.

Im Jahre 1782 wurde in Stockach Adam Lenz als zweiter Lehrer angestellt, 1783 bat er um die Erlaubnis zur Verehelichung mit einer Secklerstochter und um Bewilligung zur Ausübung des Secklergewerbes und des Salzhandels. Im gleichen Jahre stellte er das Gesuch, ihm wie seinem Nebenlehrer Blank 8 Klafter Brennholz frei vors Haus zu bewilligen, da nach höchster Verordnung die Lehrer Wohnung und holzfrei seien. „Die Wohnung melde ich einstweilen nicht, massen itz noch eine eigene habe.“ Die Stadt bewilligte ihm 3 Klafter Holz. Die Gemeinde Hindelwangen Aachen und Burtel, die ihre Kinder ebenfalls zur Schule schickten, ohne etwas zum Unterhalt für den Lehrer Lenz beizutragen, sollen die 3 Klafter fronenweise vor das Haus führen.

Im Jahre 1798 zieht Pfarrer Burghart in Hindelwangen auf und findet keine öffentliche Schule vor. Dieser Pfarrer ist es offenbar, der die Errichtung der ersten Schule in Hindelwangen tatkräftig in die Hand nimmt, denn schon 5 Jahre später wird im Jahre 1803 als erster Lehrer der Messner Simon Grundler bestellt. Als Besoldung erhielt er von jedem Kind wöchentlich den Schulgroschen. Der Unterricht wurde vermutlich im Hause des Simon Grundler erteilt, bis im Jahre 1828 ein eigenes Schulhaus erbaut wurde, das bis heute seinen Zweck erfüllt. Die Kosten für den Schulhausbau betrugen 1697 fl. „welche auf die Steuerpflichtigen der Gemeinde umgelegt wurden: der Pfarrei traf es 138 fl. wegen Berlingen, welches Lehen der Pfarrei war und Lohnerhof noch 43 fl. zus.: 181 fl. der Kaplanei traf es 58 fl.

Wie in jener Zeit überall war der Lehrer zugleich Messner und erhielt als solcher einige Parzellen Acker und Wiesen zur Bewirtschaftung. In Hindelwangen war für diesen Zweck das sogen. Messnergütle vorhanden, das der Pfarrei eigen war. Es wurde durch den Pfarrer gelegentlich verliehen, und der jeweilige Inhaber musste an die Pfarrei 1 fl. 3 Kr. und 4 hl. abliefern.

Durch Regierungsbeschluss wurde später das Messnergütle „Eigentum zum Lehrerdienst“ und es ist an die Pfarrei nur dieser Grundzins zu bezahlen. So betrieb der Lehrer jeweils auch Landwirtschaft. Das Schulhaus enthielt daher auch die erforderlichen Räume: Scheune und Stall. Durch das Schulgesetz von 1868 wurde der Messnerdienst vom Schuldienst getrennt.

Es ist nicht bekannt wie lange Simon Grundler seine Unterrichtstätigkeit ausübte. In den Jahren 1825 und 26 finden wir einen Lehrer Thum, der im Pfandbuch als Gerichtsschreiber des Ortsgerichts Pfandschreiber und Lehrer unterzeichnet. (1858: Hauptlehrer und Messner Stöhr erhält an Gebühren bei Beerdigungen 48 Kr.)

1864 amtierte ein Lehrer Held. Am 19.11.1865 wird die 17 jährige Sophi Schappeler als Handarbeitslehrerin für die „Industrieschule“ angestellt und erhält für das Winterhalbjahr 1865/66 ein Gehalt von 8 fl. ebenso für 1866/67/68.

Am 5. Januar 1869 übernimmt Schulverwalter Eduard Ramsperger den Schuldienst. Am 24. Oktober 1869 tritt Hauptlehrer Ferdinand Krieg, der bisher als Unterlehrer in Stockach tätig gewesen, den Schuldienst in Hindelwangen an. Zur selben Zeit war die Stelle der Handarbeitslehrerin erledigt und wurde der Ehefrau Magdalene Boos übertragen, wiederum mit einem Gehalt von 8 fl.

Am 1. Februar 1871 wurde in einer Schulfeier der Kaiserproklamation und der Kapitulation von Paris gedacht. „Jedem der Kinder wurde 1 Weck gegeben, worauf sie entlassen wurden und hocherfreut nachhause eilten.“

Im Winter 1871 wurden die Männer und Jünglinge in Abendkursen mit den neuen Gewichten und Maßen bekannt gemacht. Mit Ende des Schuljahres 1874/75 verlässt Hauptlehrer Krieg Hindelwangen, an seine Stelle tritt der Schulverwalter E. Handloser bis 1. Oktober 1875. Hauptlehrer Stadler tritt die Stelle an, bleibt bis 1843 und verzieht dann nach Liptingen. Schulverwalter Riesterer wird dessen Nachfolger. 1885 zieht Hauptlehrer Konrad Handloser auf. Tritt 1893 in den Ruhestand. Hauptlehrer Peter Anton Weber zeiht auf, lässt sich 1913 pensionieren. Von Dezember 1913 bis Mitte April 1914 versieht Schulverwalter Robert Weber die Stelle. Von Jestetten kommt Hauptlehrer Anton Horn.

Am 1. August 1914 bricht der erste Weltkrieg aus. Zahlreiche Lehrer werden zu den Waffen gerufen. Viele Orte werden von Nachbarlehrern mit versehen. Hauptlehrer Horn hält vormittags in Hindelwangen, nachmittags in Stockach Schule. Der Krieg nimmt immer schlimmere Folgen an, immer mehr Männer müssen ihren friedlichen Arbeitsplatz verlassen und zu den Waffen greifen. Am 2. Juni 1916 wird auch Hauptlehrer Horn einberufen. Die Schule in Hindelwangen wird zunächst aufgehoben, die Kinder gehen in Stockach in die Schule. Dieser Zustand dauert jedoch nur kurze Zeit bis die Schule in Hindelwangen wieder eröffnet wird. Nacheinander versehen die Hilfslehrerinnen Antonie Gast, Paula Glas und Klara Knoblauch den Schuldienst bis zum bitteren Ende des Krieges.

Hauptlehrer Horn kam nach kurzer militärischer Ausbildung – er war ungedienter Landsturmmann – in Offenburg und Neubreisach an die Westfront und machte im Regiment Markgraf Ludwig Wilhelm, 3te Bad. 111. die Schlachten und Kämpfe in Frankreich mit. Am 5. Dezember 1918 kam er in die Heimat zurück und übernahm nach Neujahr 1919 wieder den Schuldienst.
In friedlicher Arbeit konnte jeder willige Staatsbürger an seinem Platze am Aufbau des am Boden liegenden Vaterlandes mitarbeiten, und wenn die Not und Armut auch groß war, es leuchtete doch ein fernes Morgenrot. Aber nicht alle waren willig und aufbaubereit, viele hatten ernste Arbeit verlernt und sahen im Streben nach äußerer Macht das Heil, sie folgten den Sirenenklängen eines Abenteurers und so brach das Unglücksjahr 1933, das tausendjährige Reich an.

Es war nun aus mit ruhiger und friedlicher Arbeit, es wurde marschiert und getrommelt, das Wort Freiheit war zur Farce geworden, nationalsozialistische Irrlehren mussten den Kindern in der Schule vorgetragen werden, die Religion wurde langsam aber immer mehr zurückgedrängt und es kam wie es kommen musste: der II. Weltkrieg brach aus. Nun trat infolge des Krieges wieder Lehrermangel ein. Die Schule Hindelwangen wurde aufgehoben, die Schüler wurden in die Schule in Stockach eingegliedert, einige wurden, die Lage ihres Wohnortes entsprechend nach Malspüren geschickt, und Hauptlehrer Horn hatte 2 Klassen in Stockach zu unterrichten. Das dauerte so für das ganze Schuljahr 1940/41, dann wurde die Schule in Hindelwangen wieder eröffnet. Entsprechend dem wachsenden Einfluss der Partei – die Partei befielt dem Staat, lautet der Grundsatz – hatte die Schulleitung immer weniger zu sagen, 1942 wurde die Entlassungsfeier von der Partei veranstaltet und zwar im Adler Post-Saal gemeinsam für Stockach und Hindelwangen, 1943 war keine Entlassungsfeier, außer für Schüler in der HJ (Hitlerjugend), ohne Mitwirkung der Schule, wieder in Stockach.

Am 2. Juni 1944 wurde Hauptlehrer Horn nach Erreichung des 65. Lebensjahres in den Ruhestand versetzt. Er zog nach Stockach, sein dort käufl. erworbenes Haus betreute von dort aus noch den Organisten- und Chordirigentendienst in Hindelwangen bis zum Jahre 1949.

Am 1. Oktober 1944 zog Hauptlehrer Franz Elsässer von Gallmannsweil in Hindelwangen auf; erließ sich 1950 nach Windschläg versetzen, an seine Stelle trat Hauptlehrer Johann Renner.

Betreffs des Schulhauses ist noch nachzutragen: Das alte Gebäude war nach und nach Altersschwach geworden und die Gemeinde befasste sich 1914 mit dem Plan eines Neubaues, dem auch ein Rathaus angegliedert werden sollte. Der ausgebrochene Weltkrieg und die darauf folgende Inflation machten diesen Plan zunichte. Da aber dringend etwas geschehen musste, wurden die längst überflüssig gewordenen Landwirtschaftlichen Räume zu Wohnräumen umgebaut. Das geschah in den Jahren 1922/23, den Jahren der Hochinflation, so dass der Bauunternehmer Müllherr von Stockach, als er den Betrag für die Baukosten etwas verspätet erhielt, gestand, der ganze Betrag habe ihn gerade zu einem Säckchen Zement ausgereicht.

Durch Siedlung und Zuzug von Flüchtigen war nach und nach der Schulsaal zu klein geworden, und daher wurde 1950 ein Zimmer von der Lehrerwohnung abgetrennt und dem Schulsaal angegliedert. So ist der größten Not fürs erste Einhalt geboten, aber einmal wird doch der Plan eines Neubaus wieder spruchreif werden.

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