Die Seelsorger von Hindelwangen

Kessi 11. Juni 2008

Wohl selten finden sich auf einem Dorffriedhof so viele Priestergräber wie auf dem idyllisch gelegenen Gottesacker, der sich im Schatten der alten Wallfahrtkirche zu Hindelwangen ausbreitet.

Als erster urkundlich bezeugter Pfarrer von Hindelwangen wird 1243 ein Chonradus de Hundelwanc genannt. Graf Eberhard von Nellenburg verspricht durch eine Urkunde vom 14. Oktober 1330 die Geistlichkeit des Kapitels Stockach in ihren Rechten zu schirmen. (Loher, Regesten zur Geschichte der Grafen von Veringen.)

1437 präsentiert Johannes, Graf von Thengen und Nellenburg der Pfarrkirche in Hindelwangen Magister Eberhardus Habs. Es folgen Heinricus Wisbock, Presbiter ad ecclesiam parochialem sancti Michaeli archangeli in Hindelwangen.

Durch Erzherzog Sigismund von Österreich wird 1471 Heinrich Volckart jun. Kapelan in Hindelwang eingesetzt nach Verordnung unseres Herrn des Königs. Obgleich das Besetzungsrecht der geistlichen Pfründen der Herrschaft zustand, so scheint die Stadt Stockach doch auch mitberechtigt gewesen zu sein. Nämlich: 1622 bat Herr Johannes Binninger, Priester und derzeit Kaplan zu Hindelwangen, „weil ihm die Kaplanei Hindelwangen von Ihrer fürstl. Durchlaucht conferiert worden, dass man ihm die Kaplanei Stockach so wie seinem Vorfahrer auch verleihen möge; er wolle sich ganz Priesterlich und also verhalten, dass männiglich mit ihm zufrieden sein solle.“ Der Rat zu Stockach bewilligte das Gesuch.

1709: Eine Gedenktafel in der Kirche neben dem Epitaph des Grafen Eberhard von Nellenburg kündet; dass hier Johannes Franziskus, Sacerdos simplex et Rectus Hindelwangen-sium Pastor vere bone seine Ruhestätte gefunden hat. Er war in Veldt Kierchi (Feldkirch) geboren und starb 1709 am 10. Juli im Alter von 64 Jahren.

1718: Pfarrer Raimund Mayer von Hindelwangen hält bei dem Ehejubiläum des Herrn Anton Harrer des Rats mit seiner frommen Ehefrowen Elisabeth von Kolbingen in der Pfarrkirche zu Stockach die Predigt am 13. Februar 1718. Dero Hochzeitsleut Herr Sohn, Pfarrer zu Mindersdorf, Johann Konrad Harrer hat das Amt zelebriert und seine Eltern benedicieret und aber Hans Georg und Michael die Kinder der Jubilaren ministrieret. „Gott gebe manniglich in diesem Leben ein solches Alter und hernach die ewige Ruhe!“

Pfarrer Mayer baute ein Häusle mit Speicher zur Einführung der löblichen Bruderschaft St. Michael Archangeli.

1770: Der Rat von Stockach wird bei Dekan Öchsle in Hindelwangen vorstellig um einen Vikar. Den 12. September: Beschluss: eine Deputation an den Herrn Dekan Öchsle in Hindelwangen abzuordnen und denselben vorstellig zu machen, wie schlecht wir in der Kirche in specie in der Christenlehre versehen, um einen Vikarium auszuwirken.

1779 wurde von Stockach der Vorschlag gemacht, die Pfarrpfründe Hindelwangen mit der Pfarr- und Frühmesspfründe zu vereinigen. Der Magistrat ist entschieden dafür und glaubt hierdurch werde dem Ort und besonders der Normalschule großer Vorteil erwachsen. Deshalb soll dem Oberamt die Sache durch eine besondere Deputation empfohlen werden.

Im Jahr 1784 starb in Stockach Pfarrer und Dekan Huster. Ignaz Schreiber, mehrere Jahre Vikar unter Pfarrer Huster, ersucht den Rat ihm zur Pfarrei behilflich zu sein. Beschluss: Bei se. Majestät eine Bittschrift einzureichen, dass derselbe nicht nur die Pfarreien Liptingen, Schwandorf und Hindelwangen zu voller Zufriedenheit versehen, sondern auch hier die geistl. Verrichtungen mit ausgezeichnetem Eifer verwaltet und die ganze Bürgerschaft ihn sehnlich als Pfarrer wünsche.

1798 zieht in Hindelwangen ein Pfarrer Burghart auf und findet am Ort noch keine Schule vor. An der Aussenseite der Kirchenmauer ist ein Gedenkstein eingemauert für Michael Nikolaus Merz aus Ravensburg, ges. 1834, alt 82 Jahr, Priester 54 Jahr Pfarrer und Deputat zu Hindelwangen 23 Jahr, 6 Monat, 5 Tage. Eine zweite Tafel hält das Gedenken wach für Pfarrer Josef Anton Stett, geb. zu Überllingen 1787, gest. zu Hindelwangen 1849.

4 Grabsteine bezeichnen die Ruhestätten nachfolgender Pfarrherren: Dekan Franz Xaver Schindler, gest. 1864, Dekan Johann Babtist Wiggenhauser, gest. 1875, Pfarrer Eduard Ruf von Überlingen, gest. 1906. Pfarrer Johann August Leibinger, geb.: 1841 in Stockach, gest. 1913, Pfarrer von Hindelwangen 1906 bis 1913.

Auf Pfarrer Leibinger folgte 1914 Cäsar Heusch geb. 1865 in Stockach, Pfarrer in Hindelwangen von 1914 bis 1927. In diesem Jahr trat er in den Ruhestand und starb 1945 in Mingolsheim. Ihm folgte Pfarrer Josef Schlitter, geb. 1877 in Bilafingen. Er starb 1942 und fand seine Ruhestätte neben seinen Vorgängern.

An derselben Stelle hatte vor ihm, einer seiner Vorgänger, Pfarrer Johann Georg Belzer, der von 1875 bis 1878 hier Seelsorger war, seine Grabstätte gehabt. Von 1879 bis 1884 hatte Pfarrer Leopold Geani hier seines Amtes gewaltet.

„Ewig seelig sind die Hirten,
Die ihr Volk zur Tugend führeten.“

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