Der zweite Weltkrieg

Kessi 11. Juni 2008

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Der 30. Januar 1933 war ein schwarzer Tag in der Geschichte Deutschlands und der Welt; denn an diesem Tag kam die nationalsozialistische Partei mit Adolf Hitler an die Macht im Staate. Über ihre unheilvolle Tätigkeit ist schon an vorangegangener Stelle berichtet worden. Sie führte zunächst mit Polen zum Krieg, das in wenigen Wochen unterworfen wurde. Die Nazi-Regierung, von allen guten Geistern verlassen, und in Größenwahn nicht mehr zu übertreffen, glaubte nicht nur mit England und Frankreich fertig zu werden, sondern erklärte auch an Russland und Amerika den Krieg. so war der Krieg zum II. Weltkrieg ausgewachsen.

Das Furchtbarste war, dass der Krieg sich nicht auf die Kämpfe der Armeen beschränkte, sondern durch zahllose furchtbare Luftangriffe auch die Zivilbevölkerung in noch nie da gewesener Grausamkeit in Mitleidenschaft zog. Hunderte von Städte und Dörfer wurden durch Bombenangriffe aus der Luft vernichtet, und tausende von Männer und Frauen und Kinder wurden Opfer der feindlichen Flieger.

Auf der Gemarkung Hindelwangen fielen in der Nähe des Berlinger Hofes einige Bomben auf freies Gelände ohne Schaden anzurichten. Dagegen musste Stockach im Febraur 1945 zwei schwere Luftangriffe über sich ergehen lassen. Eine Anzahl Häuser, darunter das Kornhaus, die Schießer’sche Trikotwarenfabrik, ein großes Möbelhaus, das Kreisschulamt, die Güterhalle u. a. wurden dem Erdboden gleich gemacht und 22 Menschen kamen dabei ums Leben.

Längst war jedem Einsichtigen klar geworden, dass der Krieg nicht zu gewinnen war, aber die verbrecherische Regierung setzte den Krieg fort. Als die feindlichen Heere im Westen wie im Osten schon die Grenzen überschritten hatten, wurden im Inneren des Landes überall Verteidigungsmaßnahmen getroffen, Panzersperren angelegt, Brücken gesprengt und immer noch Männer zum Volkssturm eingezogen. Das Volk musste dem Wahnsinn zusehen und durfte sich nicht mucken, und so geschah, was seit 130 Jahren nicht der Fall gewesen war, das deutsche Land wurde von feindlichen Truppen überflutet und bis zum letzten Bauernhof besetzt. Wie anderorts so war auch in Hindelwangen zwischen dem Schulhaus und dem Haus Bregenzer eine Panzersperre gebaut worden, die aber glücklicherweise nicht mehr verteidigt wurde. Eine Verteidigung hätte wohl zum Untergang des Dorfes geführt. In Wahlwies wurden 3 Bürger von SS-Leuten erschossen, weil sie sich der Sprengung der Brücke widersetzen wollten.

Am 21. April rückten gegen Abend die Franzosen von Tuttlingen herkommend in unser Dorf ein und zwar, nicht auf der Hauptstrasse und durch die Panzersperre, sondern auf Feldwegen und Pfarrwald entlang fuhren ihre Panzer. Dabei fielen immer wieder einzelne Schüsse. So wurde auch ein Haus beschädigt, bemerkenswerterweise das Haus der ärmsten und ältesten Frau im Dorfe. In anderen Orten, sowie Malspüren i. H. kamen auch Menschen ums Leben.

Schon am Vormittag waren deutsche Soldaten ohne Führer, ohne Waffen und ohne Ordnung auf dem Rückzug hier durchgekommen, gleichsam das Dichterwort verkörpernd: „Wir ziehen dahin, ein geschlagen Heer, erloschen sind unsre Sterne!“

Ja, die Sterne Deutschlands waren erloschen. Die französische Besatzungsmacht übernahm die Verwaltung. Ein neuer Gemeinderat wurde eingesetzt mit Johann Ruf als Bürgermeister, der die Befehle und Anordnungen der Franzosen auszuführen hatte. In Stockach wurde ein Gouvernement Millitaire, eine Militärregierung, eingesetzt. Zahlreiche Gebäude wurden beschlagnahmt für französische Behörden und Truppen. Vieh, Geflügel, sonstige Lebensmittel, auch Anzüge und andere Dinge mussten abgeliefert werden. Das Wild in den Wäldern wurde wahllos abgeschlossen. Die Ausgangssperre wurde verhängt, kurz, die Deutschen hatten im eigenen Haus nichts mehr zu sagen. Stockach wurde eine französische Garnison. Soweit hatte der Nazismus Deutschland gebracht. Das Reich lag zerschmettert am Boden, aus tausend Wunden blutend, wehrlos der Gnade der Siegermächte ausgeliefert, denn die Kapitulation hatte bedingungslos erfolgen müssen. Der furchtbarste Krieg, den die Welt je gesehen hatte, war zu Ende. Er war ohne Begeisterung begonnen worden und nahm ein Ende mit Schrecken.

Es gaben in diesem Krieg ihr Leben:
Brüstle Alois in Russland, Renner Josef in Lettland,
Bez Ernst in Deutschland, Ries Friedrich in Russland,
Fridgen Steffen in Russland, Ries Karl in Deutschland,
Fuchs Josef in Düren (Rheinl.), Schellhammer Fritz in Russland,
Gauggel Karl in Russland, Schellhammer Konrad starb i. Laz. und
fand in der Heimat seine Ruhestätte,
Grundler Ottmar in Russland, Schönenberger Ernst in Russland,
Lamm Franz in Italien, Stotz Eugen in Frankreich,
Lock Paul in Griechenland, Villing Anton in Russland Stalingrad,
Martin Johann in Berlin, Weißhaupt Karl in Russland,
Möll Karl in Polen, Pabst Werner in Deutschland,
Wolfel Karl in Russland.

Vermisste:
Bommer Karl in Rumänien, Grünenwald Kurt in Russland,
Bregenzer Albert in Russland, Jörg Hermann in Frankreich,
Bregenzer Alois in Rumänien, Kohnke Hans in Russland.

Weitere Kriegsteilnehmer:
Arke Gustav, Haaf Karl, Nagel Georg,
Benkler Anton, Hahn Georg, Patzke Gerhard,
Bietinger Hermann, Handloser Eugen, Patzke Hans,
Bietinger Karl, Hengherr Hugo, Renner Alfons,
Böhler Josef, Hölinger Philipp, Renner Hans,
Bommer Fritz, Jörg Bernhard, Ruf Johann,
Bommer Paul, Lauer Karl, Schellhammer Konrad,
Bregenzer Albert, Leib Artur, Schmid Josef,
Bregenzer Alexander, Leute Herrman, Schmid Karl,
Bregenzer Johann, Lock Erwin, Schönenberger Oskar,
Deggelmann Erwin, Lock Eugen, Schumacher Albert,
Elsner Kurt, Lock Josef, Schroff Josef,
Gauggel Josef, Martin August, Stotz Walter,
Graf Ernst, Meier Leo, Traber Josef,
Grünenwald Erwin, Mayer Erwin, Trautmann Vinzenz,
Grundler Anton, Möll Anton, Trippel Franz,
Möll Georg.

Diese hatten das Glück, manche ernst nach langer Kriegsgefangenschaft, in die Heimat zurückzukehren.

Der zweite Weltkrieg hatte erneut bewiesen, das Kriege ungeeignete Mittel sind, die Beziehungen der Menschen und Völker untereinander zu ordnen, und dass sie nur Blut, Schweiß und Tränen im Gefolge haben. „Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen“ hatte einmal Kaiser Wilhelm der II. gesagt, ein tausendjähriges Reich, hatte Adolf Hitler versprochen. „Ich kann euch nichts versprechen, als Blut, Schweiß und Tränen“, hatte einmal Winston Churchill gesagt. Er hatte die Wahrheit gesprochen. Möchte doch endlich das Dichterwort sich erfüllen:

„Möge nie (wieder) der Tag erscheinen,
Wo des rauen Kriegers Horden
Dieses Stille Tal durchtoben,
Wo der Himmel,
Den des Abends sanfte Röte
Lieblich malt,
Von der Dörfer, von der Städte
Wildem Brande schrecklich strahlt.“

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