Der deutsch-französische Krieg
Kessi 11. Juni 2008
1870/71
Unterm 20. Juli 1870 befindet sich im Stockacher Narrenbuch folgender Eintrag: „Der Landmann hier rüstet sich zur Einheimsung seiner Früchte und Deutschland und Frankreich zum Kriege! Wer wird Sieger? Heute Abgang der hiesigen Soldaten; der Ertrag einer Sammlung von 65 Gulden wurde denselben noch auf dem Bahnhof durch Gemeinderat K. Burth übermittelt. Hurra! Germania!! Fest steht und treu die Wacht am Rhein, hört man hier allerorts singen und rufen.“
43 Männer von Stockach haben an diesem Kriege teilgenommen.. Von Hindelwangen waren zu den Waffen eingerufen: A. Grundler, J. Grundler, B. Kirchmann, J. Renner, Jos. Schappeler.
Im Jahre 1870 starb im Feldlazarett Brumath im Elsaß am 24. Oktober Tomas Reiser, Soldat und Krankenträger von Hindelwangen infolge der Ruhr. 23 Jahre alt.
Am 5. August kam die erste Siegesmeldung von Weißenburg. Bei Eintreffen von Nachrichten über große Siege waren in Stockach große Beflaggung, Beleuchtung und Böllerschüsse. Aus Nachbarschaft kamen abends die Landleute nach hier um zu jubeln und sich über die Taten unserer tapferen Armeen zu freuen. Am 3. September: Napoleon gefangen. Da sang die Schuljugend hier: „Hat ihn schon Mac Mahon – und den Monseur Napoleon.“ So der Chronist im Stockacher Narrenbuch.
Am 18. Januar 1871 fand im Spiegelsaal des Schlosses zu Versailles die Kaiserproklamation statt, die deutschen Stämme waren geeint, das deutsche Kaiserreich war wieder auferstanden, die Sehnsucht der besten Deutschen war erfüllt. Der deutsche Kaisergedanke war aus dem Reich der Deutschen Träume in die Wirklichkeit getreten.
Am 16. Februar wurde in Stockach morgens 7 Uhr in aller Stille der Narrenbaum gesetzt; anstelle der Tafel: „Stammbaum aller Narren“ – war folgender Zettel angeschlagen:
„Der Baum, der sonst die Fröhlichkeit gegründet,
ist jetzt das Sinnbild, das den Edelsinn entzündet.
Er fleht: Was euch sonst erwuchs an Narrenlasten,
das werft für deutsche Wunden hier in meinen Opferkasten.“
Anlässlich des örtlichen Friedensfestes erstrahlte der Narrenbaum in herrlichem Flammenmeer mit dem Spruch:
„An Fasching man mich traurig fand,
weil gar so ernste Zeiten,
heute prange ich im Festgewand
und teil mit euch die Freuden.“
Der Friede war endgültig abgeschlossen am 10. Mai 1871 zu Frankfurt a. Main. Frankreich musste Elsass-Lothringen abtreten und 5 Milliarden Frank Kriegsentschädigung zahlen. Die gesamten Verluste der vereinigten Deutschen Armeen im Feldzug 1870/71 betrugen an Toten, Verwundeten und Vermissten 112038 Mann.
- Keine Kommentare