Die Koalitionskriege

Kessi 11. Juni 2008

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So geht das 18. Jahrhundert über unser Dorf und unsere Gegend hin. Es sollte jedoch nicht ganz zu Ende gehen, ohne das die Geißel des Krieges wieder in unserem Gebiet erschien. Es war, das durch die französische Revolution eingeleitete Zeitalter Napoleons I. Seit 1795 erfolgten wieder Durchzüge französischer Truppen.

General Jourdan hatte in den ersten Tagen des März 1799 den Rhein überschritten und drang in Schwaben vor, während General Massen von Graubünden aus gegen Vorarlberg manöverierte. Allein Erzherzog Karl zog mit einem starken Heer aus Österreich heran und traf bei Ostrach auf die Franzosen. Es war am 21. März. Die Schlacht war schwankend und blutig. Endlich siegte das Ungestüm und die Österreicher. Die folgenden Tage zogen die Franzosen unbelästigt gegen den Bodensee und die obere Donau. Erzherzog Karl, unter dem der Fürst von Fürstenberg kommandierte, folgte gemessen nach. Auf der Höhe zwischen Raithaslach, Heudorf und Liptingen hatte der französische Feldherr Stellung genommen. Die Strasse führt über den Höhenzug, welchen der graue Wald deckt. Das Österreichische Heer stand in einer Linie von Zollbruck über Nellenburg und Malspüren und rückte von Süden und Osten vor. Es war der 25. März, das Fest Maria Verkündigung, das in diesem Jahre auf den Ostermontag fiel. Dichter Nebel trennte die beiden Heere. Der Erzherzog stand mit seinem Stabe auf der Höhe, welche über die Strasse zieht. Eine französische Batterie verbreitete in nächster Nähe Tod und Verderben. Die Generale, welche dem Erzherzog umgaben machten ihn auf die Verwüstungen aufmerksam, welche von den dicht fallenden Kugeln angerichtet wurden. Sie baten und beschworen den Feldherrn, diese gefährliche Stelle zu verlassen und sich dem Wohle des Ganzen aufzusparen.

Der Platz war ihm aber zu wichtig, er wollte ihn keinen andern überlassen. Da sprengten die Adjutanten hinüber zum Fürsten von Fürstenberg und baten ihn, seinen Einfluss geltend zu machen und den Erzherzog aus dem Feuer zu bringen. Der Fürst sprengte herbei und beschwört den Oberkommandierenden, das Heil Österreichs und Deutschlands in seiner Person nicht zu freventlich aufs Spiel zu setzen. Auf die Entgegnung des Erzherzogs wie wichtig dieser Punkt für die Entscheidung der Schlacht sei, erwiderte der Fürst: „Solange ich lebe, stehe ich für diesen Posten.“ Der Erzherzog zog sich zurück und der Fürst ritt an der Spitze seines Regimentes durch den Nebel dem Feind entgegen. Bald darauf sank er von 5 Kartätschenkugeln durchbohrt vom Pferde. Am Morgen dieses Tages hatte er in Malspüren, wo er über Nacht gewesen, seine Osterbeichte verrichtet. Ein Fähnrich von Gemmingen ließ den Gefallenen gen Stockach bringen, wo er in der oberen Apotheke aufgebahrt wurde. Anderntags wurde er mit dem Herzog Anhalt-Bernburg auf dem Friedhof in Stockach beigesetzt. Fünfzig Jahre später, am gleichen Tage, wurde der Leichnam ausgegraben und in der Fürstl. fürstenbergischen Familiengruft in Neudingen beigesetzt. Die Schlacht ist unter dem Namen – „Schlacht bei Stockach“ – in die Geschichte eingegangen. Die Schlacht war gewonnen, aber der Sieg teuer erkauft. Die Franzosen mussten sich über den Rhein zurückziehen.

Im Jahr 1800 erfolgte am 3. Mai der dritte Einfall der Franzosen, welche unter dem General Moreau die Schlacht bei Engen und Meßkirch gewannen und bis an den Inn vorrückten.

Der vierte Durchzug der Franzosen fand im Jahre 1805 statt unter dem General Angerau. Der Friede von Pressburg brachte im selben Jahre den Abschluss der Koalitionskriege. Österreich musste die Landgrafschaft Nellenburg an das neu errichtete Königreich Württemberg abtreten, und damit musste auch Hindelwangen württembergisch werden. Am 4. Januar 1806 wurde Stockach von württembergischen Truppen besetzt. Dieser Zustand währte jedoch nur 4 Jahre. Nur ungern ertrug man die württembergische Herrschaft, so dass es sogar zum Aufruhr kam, und es war ein Glück, dass 1810 auf Napoleons Machtspruch die Landgrafschaft Nellenburg an das neu geschaffene Großherzogtum Baden fiel. Aber der Großherzog von Napoleons Gnaden wurde auch Mitglied des Rheinbundes und so mussten auch badische Landeskinder mit der großen Armee Napoleons nach Russland ziehen, und in ihren Reihen marschierte auch ein Hindelwanger Bürgerssohn. Der eisige Winter 1812 und die Beresina verschlangen die große Armee und nur wenige sahen ihre Heimat wieder.

Die Zeit der Befreiungskriege brachte wieder Truppendurchzüge und Einquartierungen. Es waren aber ausschließlich befreundete Truppen, Österreicher, Bayern, Preußen und selbst Russen. Das Jahr 1815 brachte endlich den Frieden. Napoleons Weltherrschaftstraum war ausgeträumt. Auf der öden Felseninsel St. Helena konnte er Betrachtungen anstellen über die Unbeständigkeit aller irdischen Dinge. Das Volk aber hatte noch lange an den Folgen der vielen Kriegsjahre zu leiden. Der Grafschaft Nellenburg war eine Contribution von 400000 Livres auferlegt worden. Die Gemeinden waren verarmt und die Kriegsschulden waren so hoch, dass ihre Abzahlung noch Jahrzehnte dauerte. Die Stadt Stockach hatte beispielsweise noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts daran zu zahlen. Von Hindelwangen selbst liegen hierzu folgende Zeugnisse vor:

1828: Laut dem bezirkamtlichen Auftrag vom 6. Februar 1828 Nr. 1980 schuldet die Gemeinde Hindelwangen an die Bezirksschulden-Tildungskasse Stockach an Kriegslasten von 1806 888 fl. Hierfür die Gläubigerin von den der Gemeinde gehörigen Liegenschaften d. i. dem Gemeindewald per circa 15 Jauchert, sodann der Gemeindeacker per 1 ½ Jauchert Pfandrechtlich eingetragen. Das Ortsgericht erkennt diese Schuld sowie das hierfür bestellte Unterpfand unterschriftlich mit dem Bemerken für richtig an, dass die Schuld, obwohl für selbe das Gemeindsvermögen verhypotheket ist, jedoch nicht aus dem Fluss der Gemeinde abbezahlt werden würde, sondern die Tilgung der oben gedachten Schuld von dem Steuerkapital der hiesigen Bürgerschaft absolut durch die Steuer und nicht aus dem Gemeindevermögen getilgt werden müsse.

Ferner: Laut dem bezirksamtlichen Auftrag vom 6. Februar 1828 Nr. 1983 schuldet der Weiler Brauenenberg an die Großherzogliche Tildungskasse Stockach von Kriegslasten von 1806 die Summe von 643 fl. und haben zum Unterpfand zway Mat Wiesen in Kugelwiesen und Wiesen in Hertwiesen, erstere dem Simon Hänsler und letztere dem Johannes Amann gehörig, was der Großh. Tilgungskasse zugesichert ist.

Nun war endlich der Friede eingekehrt, wenigstens nach außen. Aber im Innern der verschiedenen Staaten gärte es weiter. So kam es in Frankreich 1830 zur Julirevolution. Die verunglückte polnische Revolution 1831 führte auch nach Stockach zu hunderten polnischer Flüchtlinge. Sie wurden gastfreundlich verpflegt bis sie die Reise nach Frankreich fortsetzen konnten.

Die französische Februarrevolution 1848 fegte die Monarchie hinweg. Die Unruhen griffen auch nach Deutschland über. Am 14. April 1848 wurde in Stockach eine große Volksversammlung abgehalten, in welcher der Abgeordnete Hecker von Mannheim mit Struve erschien und zu einem bewaffneten Freischarenzuge aufforderte. Von allen Seiten strömten Freischaren zu, und die Stadt hatte ständig Einquartierung. Am 17. April trafen Bayerische Truppen ein und blieben volle 3 Monate. Als dieselben zurückberufen wurden, kamen an ihrer Stelle württembergische Truppen und blieben bis zum 1. Mai 1849. In den folgenden Jahren kamen Bürgerwehren, hauptsächlich Konstanzer, dann hessische Truppen. Diese wurden später durch preußische Truppen ersetzt. Erst im Dezember 1850 verließen uns die Preußen und badische Truppen kamen an ihre Stelle. 1851 kehrten auch diese in ihre gewöhnlichen Garnisonen zurück und es erfolgte dann die Aufhebung des Kriegszustandes.

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