Das 20. Jahrhundert

Kessi 11. Juni 2008

1914 entbrannte der I. Weltkrieg, der bis 1918 dauerte und eine Inflation im Gefolge hatte, die die Spargelder der Bevölkerung fast gänzlich vernichtete. Die Geldentwertung nahm von Tag zu Tag zu, der Index kletterte täglich höher hinauf. Die Notenpresse schuf immer höhere Banknoten, aus Tausenden wurden Hunderttausende und aus Millionen und Milliarden wurden Billionen.

Aber sie konnte mit der Preissteigerung nicht Schritt halten. Wer beispielsweise im Jahr 1924 auf dem Kirchweihmarkt in Stockach am Vormittag einen Ochsen verkaufte, musste, wenn er am Nachmittag in ein Geschäft trat zu seinem Schrecken feststellen, dass er für seinen Ochsen gerade noch eine Hose erstehen konnte.

Endlich am 24. November 1924 wurde diesem Treiben Einhalt geboten. 1 Billion Papiermark wurde einer Rentenmark gleich gesetzt. Später folgte dann der Rentenmark die Reichsmark. Und es erfolgte auch noch eine Aufwertung von 12 ½ % so dass, wer beispielsweise ein Sparkonto von 8000,- Mark gehabt hatte, noch 1000,- sein Eigen nennen konnte. Aber man hatte wenigstens wieder stabiles Geld und konnte, wenn auch in bescheidenem Maße wieder kaufen und verkaufen. Aber nach einer kurzen Blüte trat ein Rückschlag ein, Arbeitslosigkeit war die Folge und bald erreichte die Zahl der Arbeitslosen 6 ½ Millionen, die mit ihren Familien unterstützt werden mussten. Die Zahl der Unzufriedenen wuchs und es fehlte nicht an Hetzern, die die Unzufriedenheit schürten und gegen die Regierung hetzten.

In München wurde eine neue Partei gegründet, die N.S.D.A.P. und tausende rannten einem Scharlatan nach und es gelang diesem im Jahre 1933 die Macht zu ergreifen. Sie versprachen dem Volk goldene Berge in einem tausendjährigen Reich und gründeten einen totalitären Staat, in dem jede freie Meinungsäußerung unterdrückt wurde. Glaubens und Gewissenfreiheit gab es nicht mehr. Die Juden wurden blutig verfolgt, ihre Synagogen verbrannt. Die Kirche wurde unterdrückt, denn man glaubte, ohne Gott fertig zu werden. Tausende schmachteten in Konzentrationslagern und starben eines gewaltsamen Todes. Deutschland hatte aufgehört ein Rechtsstaat zu sein. Die Jugend wurde in der HJ organisiert und nach Nationalsozialen Grundsätzen erzogen. Denunziation galt als Verdienst und die Eltern waren durch die Angebereien ihrer Kinder nicht mehr sicher. Dazu kamen die SA und SS und es herrschte eine Tyrannei wie sie noch nie erlebt worden war und die erst heute in den sowjetisch besetzten Ländern eine Parallele gefunden hat. Allerdings die Arbeitslosigkeit wurde nach und nach behoben, denn an allen Ecken und Enden wurde fabelhaft gerüstet. So kam es wie es kommen musste, es kam der II. Weltkrieg, der nach 6 Jahren zum totalen Zusammenbruch und zu einer Katastrophe führte, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte. Das tausendjährige Reich war nach 12 Jahren im Abgrund gelandet. Eine 2. Inflation vernichtete wieder das Vermögen und die Ersparnisse des Volkes und zwar in ungleich größeren Ausmaßen als die erste. Im Jahr 1948 erfolgte eine Währungsreform die kaum 6 % übrig ließ. Aber deutscher Fleiß und deutsche Tüchtigkeit begann mit ungeahnter Energie den Aufbau aus dem Zusammenbruch. Es war notwendig, die Zustände im Reich zu streifen, denn ihre Auswirkungen erstreckten sich auch auf die kleinsten Gemeinwesen und auf jeden Einzelnen.

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Aber kehren wir nun wieder in unser Heimatdorf zurück. Der bereits geschilderten Stabilität in der Einwohnerzahl entsprach auch die Bautätigkeit, die fast bedeutungslos war. Während bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts hinein fast nur Ausbesserungsarbeiten und etwa Ersatzbauten für die durch Brände zerstörten Gebäude ausgeführt worden waren, wurden zwischen den beiden Weltkriegen 8 Häuser neu erbaut (Schühle, Kern, Dummel, Leib, Jörg, Bommer, Boos und Schellhammer- (Kiesgrube bei Windegg)).

Erst nach dem Ende des II. Weltkrieges und der Währungsreform 1948 begann eine rege Bautätigkeit. Noch während des Krieges waren 4 sog. Behelfsheime erbaut worden. nach dem Währungsumschwung entstand eine Siedlung auf dem Gelände, das die Firma Fahr A. G. Stockach von Bürgermeister Grundler erworben hatte. So entstanden bis zum Jahr 1953 acht und am südlichen Dorfende zwei weitere Häuser, sowie eine Autoreparaturwerkstätte (später Hanomag A. G.) Hahn und Kempter in Verbindung mit einer Gasolintankstelle.

Nun zogen Industriearbeiter in das Dorf, dazu kamen als Folge des Krieges zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten, sodass die Einwohnerzahl sich auf 420 Seelen erhöhte. Aber mit dieser Vermehrung der Einwohnerzahl erfuhr der bisher rein bäuerliche Charakter der Gemeinde eine merkliche Veränderung.

Seit langem war das Fehlen einer Wasserleitung ein großer Mangel in der Gemeinde. Unter der tatkräftigen Leitung des Bürgermeisters Ruf, Johann, der seit 1945 an der Spitze der Gemeinde stand, wurde eine solche in ihrem 1. Bauabschnitt fertig gestellt. In einem weiteren Abschnitt sollte die noch fehlende Ergänzung folgen.

Auch die Landwirtschaft hat sich zu bedeutendem Fortschritten aufgerafft und durch moderne Maschinen und Geräte ihre Betriebe vervollkommnet und dadurch ihre Leistungsfähigkeit wesentlich erhöht. In wenigen Tagen wurde bereits ein Dutzend Traktoren in Betrieb genommen. So ist berechtigte Hoffnung vorhanden, dass die Aufwärtsbewegungen der Gemeinde anhalten möge.

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