Die Geschichte der Nellenburg

20. April 2008

Am westlichen Rand der Stadt Stockach dehnt sich ein Höhenrücken aus, auf dessen südlichem Ende sich spärliche Mauerreste aus Büschen und Gestrüpp erheben – die Ruine der einstmals stattlichen Nellenburg, auf der ein mächtiges Grafengeschlecht saß. Edle Ritter, minnigliche Frauen, Bischöfe und Äbte hatten hier ihre Wiege stehen. Berg und Burg haben durch die Jahrhunderte manch frohes Fest mit Saitenspiel und Minnesang, manch harten Strauss mit Schwerterklang und Waffengang gesehen und gehört.

Die wissenschaftliche Erklärung des Wortes Nellenburg geht auf das mittelhochdeutsche „nell oder nelle” zurück, was soviel wie Scheitel bedeutet. Der Wappenforscher Kindler von Knobloch nennt sie deshalb auch in seinem Geschlechterbuch „Scheitelburg”.

Über die Entstehung der Nellenburg geben uns keinerlei Urkunden Aufschluss. Vermutlich ist sie auf den Grundmauern eines alten Römerkastells erbaut worden. Laut Gustav Schwab stieß man beim Abbruch der Nellenburg (1782/83) auf zwei nebeneinander stehende Vasen, die möglicherweise aus der Römerzeit stammen und deshalb auf eine römischen Ansiedlung schließen lassen.

Wer der erste Erbauer der Burg war, kann mit Bestimmtheit nicht gesagt werden. Laut der „Schwyzer Chronica” von Johann Stumpf (Verlag von Christoffel Froshauer in Zürich 1554) war die Nellenburg schon im Jahre 750 erbaut gewesen; Bezüglich des Jahres 750 meint Stumpf: Thurgowische Herrn: “Warin vn Ruthart die Graffen herrschetend dieser zeyt vm den Bodensee im Thurgow zu Nellenburg vnd zu Bodman.”

Urkundlich wird zuerst die Nellenburg als „castelum Eberhardi” in einer Urkunde des Klosters Allerheiligen (bei Schaffhausen vom Jahre 1056 erwähnt. Baumann, Allerheiligen). Zweifellos kommt aber als erster Erbauer des Schlosses, wie von manchen angenommen wird, der Graf Eberhard III. der damals die Landgrafschaft besaß, nicht in Betracht. Jedenfalls hat die Burg im 10. Jahrhundert bestanden. Wird doch schon in den Nellenburgischen Regesten (abgedruckt in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins Bd. 1 S. 72 ff) im Jahre 958 ein comes (Graf) Godfridus de Nellenburg, patruus comitis Mangoldi, Eberhardo vero comitis filius erwähnt. Versichert ist, dass die Burg im 10. Jahrhundert im Besitz der Nellenburger war und es blieb, bis sie samt Landgrafschaft im Jahre 1465 durch Kauf an den Herzog Sigismund von Österreich gegen einen Kaufpreis von 37905 Gulden überging und bis zu ihrem Abbruch 1782/83 beim Hause Österreich verblieb.

So die Geschichte. Aber auch der Volksmund weiß verschiedene Sagen zu erzählen, die sich mit der Nellenburg und ihren einstigen Bewohnern beschäftigen:

In altheidnischer Zeit, als man noch das Gedächtnis der Verstorbenen durch Klagelieder und Harfenspiel inmitten der Druiden am Opferaltar feierte, zog Nella, deren beide Eltern am selben Tag gestorben waren, alltäglich hinaus zur Grabstätte derselben in der Nähe der heutigen Nellenburg.

Einst verlor sich Mangold, der Sohn eines Christlichen Schwabenherzogs, auf der Jagd durch Zufall in die Gegend, wo die schöne Nella gerade opferte. Aus religiösen Gründen und voller Eifer stürzte er mit dem Schwert in der Faust auf die Götzenpriester, verwundete mehrere und zerschlug den Opferaltar, bis er zuletzt überwältigt und gefangen genommen wurde. Die Richter verurteilten ihn zum Tode, doch Nella, welcher der junge, schöne Ritter sichtlich gefallen hatte, begnadigte ihn und ließ ihn gehen. Mangold aber blieb. Er war ein kühner, unternehmender Mann, seinem Scharfblick war nicht entgangen, dass er auf die junge Heidin einen günstigen Eindruck gemacht hatte. Er warb um Nella und sein kühnes Vorgehen führte zum Ziele, ja es gelang ihm sogar das schöne Mädchen zum Übertritt zur christlichen Religion zu bewegen. Sehnlichst verlangte Nella die Taufe, nachdem sie durch ihren Verlobten in die Wahrheiten des Christentums eingeführt worden war. Es entsprang plötzlich dem Boden ein Brünnlein, woraus reines Wasser quoll, und damit wurde Nella getauft. Mangold aber baute auf der Stelle eine Burg und nannte sie nach seiner Gemahlin Nellaburg.

Eine andere Sage führte den Namen Nellenburg ebenfalls auf ein schönes Mädchen Nella zurück, die Graf Gangolf, ein Edelmann des Herzogs Gunzo zu Überlingen, heiratete, um sich dann auf der zu Ehren seiner Frau benannten Nellenburg niederzulassen. Jener Bach, mit dessen Wasser Nella getauft wurde und der an der einzigen Gunzoburg vorbeifließt, um unweit davon in der Überlinger See zu münden, heißt heute noch Nellabach.
Eine andere Fassung dieser Sage lautet:
Nicht weit von Überlingen liegt die Nellenburg. Zur Zeit des Hl. Gallus (gest. 646) gehörte diese einer Nella. Der Ruf des Heiligen führte sie zu einer seiner Predigten. Sie bekehrte sich und lies sich in einem am Gottesacker bei Überlingen fließenden Bächlein taufen. Das Bächlein erhielt den Namen Nellabach.

Die Umwohner der Nellenburg sind aber der Meinung, dass Nellas Taufquelle durch das so genannte Heroldstal, einige hundert Meter nordöstlich der Nellenburg, geflossen sei.

Und wieder zurück zur Geschichte.

Die erste Erwähnung des Schlosses Nellenburg findet sich, wie bereits beschrieben, in einer Urkunde über Jahrzeitstiftungen und einer Gruftkirche zu Reichenau im Jahre 1056 (Urkunde im schweiz. Staatsarchiv zu Schaffhausen).

Was die Bewohner der Burg, die Grafen von Nellenburg, betrifft: Schon 787 saßen Gaugrafen auf der Nellenburg. Das geht hervor aus einer Lehensurkunde über die Orte Usa (Hausen), Slat (Schlatt), Mulinusa (Mühlhausen), Hegingas (Ehingen), Wigtaringas (Weiterdingen), Wahalischinga (Welschingen) und Gundihinhana (Uttenhofen), die in Sisiinga (Singen) ausgestellt, von dem Stellvertreter des Gaugrafen von Nellenburg unterzeichnet wurde.

Über die Herkunft der Grafen von Nellenburg gibt es keine genauen Quellen. Vermutlich stammen sie aus dem Geschlecht der Markgrafen Rhätien und Istrien. Zu Anfang des 10. Jahrhunderts erscheint urkundlich ein Markgraf Luito. Er herrschte im Thur und Zürichgau und wird als Stammvater der Nellenburger angesehen. Urkundlich ist er im Jahre 926 erwähnt. Seinem Sohn, Graf Eberhard I. von Nellenburg, gehörten ebenfalls noch die beiden oben erwähnten Gaue. Er regierte von 959 bis 971. Erst mit ihm trat die Nellenburg so recht in die Geschichte ein. Mit einiger Sicherheit kann angenommen werden, dass die Grafen Burghard (Burchard) und Gottfried von Nellenburg, erwähnt in 963 – 971, beides Söhne Eberhards I. waren. Der Sohn Burchards war Graf Mangold, 975 – 1031. Dieser wurde von Kaiser Otto III. (983-1002) mit dem Zürichgau belehnt. Von Graf Mangold stammte ab: 1. Graf Landold, der wahrscheinlich durch seine Tochter, die mit Bezelin von Villingen verheiratet war, Stammvater der Zähringer wurde, in deren Ahnenreihen dieser Bezelin ja auch erscheint. 2. Ebbo, Graf von Nellenburg, dessen ganzer Name wahrscheinlich Eberhard war, der II. dieses Namens. Er war vermählt mit einer Nichte des Kaisers Heinrich II. Ebbo hatte 3 Söhne, Mangold, der 1030 im Kampf gegen Herzog Ernst von Schwaben fiel, der sich als Gegenkönig gegen seinen Stiefvater Konrad II. empört und auf der Burg Falkenstein im Schwarzwald verschanzt hatte. Bei der Belagerung dieser Burg verlor Mangold von Nellenburg sein Leben. (Siehe Uhlands Trauerspiel: Herzog von Schwaben.)

Der zweite Sohn Ebbos war Burchard, dessen Tochter sich mit einem Zollerngrafen vermählte, und der dritte war Eberhard der III. der bekannteste seines Geschlechts. Er wurde wegen seines gerechten Lebenswandels der Selige genannt. Noch heute stehen die Zeugen seiner Mildtätigkeit. Dass er ein frommer Mann war, beweist auch die Tatsache, dass er zweimal während seines Lebens nach Rom reiste und mit seiner Gemahlin Ida, aus dem Geschlecht der Grafen von Kirchberg eine Wallfahrt nach Santiago di Compostela in Spanien machte. Das Kloster Petershausen hatte in ihm einen gütigen Schirmherrn.

Das wichtigste Werk aus Eberhards Leben ist wohl die Gründung des Benediktinerklosters Allerheiligen bei Schaffhausen. In der damaliger Zeit hatte beinahe jedes Adelsgeschlecht ein eigenes Kloster, um darin den Gottesdienst zu pflegen und eine erbliche Begräbnisstätte zu haben, wo Grabmäler, ewige Lichter und Jahrtage das Gedenken an die Hingeschiedenen auf die Nachwelt brachten. Auch Eberhard beschäftigte sich längere Zeit mit einem solchen Plan, aber er konnte sich nicht entscheiden, welchen Ort er für seine beabsichtigte Gründung wählen sollte, ob im Elsass oder in Schwaben. So zog er nach Rom zu den Gräbern der Apostel, um sich dort Erleuchtung zu holen. Nun sah der Fährmann am Rhein, nächtlicher Zeit, im Traum eine Rute mit einem goldenen Kreuz aufsteigen, die von der Erde bis an den Himmel reichte. Das nahm Graf Eberhard für ein Zeichen und begann an der betreffenden Stelle zunächst mit dem Bau einer Kapelle. Es ist die Auferstehungskapelle, auch St. Eberhardskapelle genannt.

Der damalige Papst Leo IX., der am 12. Februar 1049 zum Nachfolger auf Petri Stuhl gewählt worden war, ein Graf von Egisheim und ein Verwandter Eberhards, weihte selbst die von diesem gestiftete Auferstehungskapelle in Schaffhausen. Der Papst besuchte im Herbst 1049 seine deutsche Heimat, hielt im Oktober die Kirchenversammlung zu Mainz, weihte am 21. November die Kreuzkirche zu Reichenau und kehrte über Augsburg nach Italien zurück.

Noch zwei mal wiederholte er seinen Besuch, 1050 – 1051 und zuletzt 1052 – 1053. Bei diesen Besuchen in seiner deutschen Heimat weilte der Papst, wie sicher angenommen wird, auch bei seinen Verwandten auf der Nellenburg.

Im Jahre 1049, vielleicht auch gerade durch den hl. Leo, seinen Verwandten bewogen, hatte Graf Eberhard beschlossen, das Kloster St. Salvator und Allerheiligen zu erbauen. (Zum hl. Erlöser und allen Heiligen.) Der Bau des Klosters wurde wahrscheinlich im Anfang des Frühlings 1050 in Angriff genommen. Vielleicht ist eben jener 12. Februar, der Jahrestag der Weihe, welche den ersten Alemannen auf den Stuhl Petri berief, als der Tag der Grundsteinlegung zu betrachten.

Beim Erbauen von Kirche und Kloster erfreute sich der Graf der lebhaften Unterstützung seiner Gemahlin und seines früheren Erziehers, des in Architektur bestens bewanderten Priesters Luitpold, der den Bau entworfen und ausgeführt hat.

Wann genau das Kloster bezogen wurde, ist nicht bekannt, man kann jedoch die Nachricht des Gallus Oehem auf die tatsächliche Neugründung beziehen: „Anno 1056 stifft grauff Eberhard von Nellenburg das closter Schaffhausen, besatzt es mit geistlichen Personen”. Der zweite Abt Luitolf konnte im Jahre 1064, 3. November, in Gegenwart der Äbte Herimann von Einsiedeln, Immo von Pfäfers, Herrig von Weingarten, Arnulf von Petershausen, Gerung von Rheinau, und Weinhar von St. Blasien, Bischof Rumolf von Konstanz die Weihe der Kirche vornehmen. Sie erfolgte zu Ehren des Erlösers, der Hl. Jungfrau Maria, des Erzengels Michael und aller Heiligen Gottes. Die Kirche zählte fünf Altäre, von denen der Michaelsaltar später von Erzbischof Udo von Trier, einem Sohne des Stifters geweiht wurde. Zum Unterhalt des Klosters überwies Graf Eberhard seiner Gründung am Weihtag mehr als 400 Hufen Landes. Nachdem die Stiftung so gesichert war, baute Eberhard noch um sein Münster Kapellen, Dormetor, Siechenhaus und Refektorium. Im Laufe der Zeit baute sich durch Zuzug von Händlern und Handwerkern um das Kloster die Stadt Schaffhausen auf, so dass der Nellenburger Graf auch als Gründer dieser Stadt bezeichnet werden kann. Nach seiner Rückkehr von der Wallfahrt nach Santiago di Compostela hatte der Graf einen Traum, worin die Gestalt eines verstorbenen Freundes seine Zweifel über den Wert der ergriffenen Laufbahn mit den Worten verscheuchte: „Dein Gebet, deine Almosen, deine guten Verrichtungen sind Gott jede Zeit angenehm, also vollführe was du begonnen. Der Sitz, welchen du einst einnehmen wirst, ziert sich mit deinen frommen Werken und wie du dein leibliches Wesen vollends ertötest, so erwirbt dein Geist das ewige Leben.” Dieser Traum reifte den Entschluss des Gottseligen Herrn, dem unsteten Weltleben zu entsagen. Seine Gemahlin aber sprach: „Welchen Weg ihr vorangeht, auf dem folge ich euch getreulich nach.”

Im Jahre 1072 entsagte Graf Eberhard III., der Selige dem weltlichen Leben und trat als einfacher Mönch in sein Kloster Allerheiligen ein. Er „ging von der Freiheit in das Gefängnis, machte sich zum Knechte, wo er Herr war und wurde ein Mönch in dem Kloster, welches er selber gestiftet, in aller Demut seinem Abte gehorsam und untertan.” In keiner Weise wollte er bevorzugt sein und verrichtete jede Arbeit, wie es sein Dienst erforderte. Seine Gemahlin lebte nahe dabei in einem Hause, genannt das Herrenhaus, in klösterlicher Zurückgezogenheit. Im Jahre 1078 gab der fromme Graf seine Seele in die Hände seines Schöpfers zurück, dem er zeitlebens so treu gedient hatte. Die sterbliche Hülle wurde unter großem Gepränge und gewaltigem Andrang aller Stände zunächst in der Krypta beigesetzt, dann aber, da die Kunde von Zeichen, die am Grabe gesehen, ruchbar wurde, wieder erhoben und vor dem Kreuzaltar im Münster begraben. Im Kloster wurde Eberhard als beator fundator (Seliger Stifter) verehrt.
Seine Gemahlin überlebte ihn noch lange, sie beschloss ihre Tage im Kloster St. Agnes in Schaffhausen, das ihr von ihrem Sohn erbaut worden war. Sie sah auch diesen als letzten ihrer Söhne ins Grab sinken.

Graf Eberhard III. hatte 5 Söhne. Udo, der älteste bestieg den Bischofsstuhl von Trier. Der zweite Sohn, Eckehard, wurde Abt von Reichenau, ein anderer Eberhard der IV. stand auf der Seite Kaiser Heinrich IV. (1056-1106) des Canossagängers, der ihn zu seinem Vertrauten machte und in Sachen der Papstwahl nach Rom sandte. Er fiel zusammen mit seinem Bruder Heinrich in den Kämpfen des Kaisers gegen die aufständischen Sachsen in der Schlacht an der Unstrut 1075, so dass Burkhard als einziger Stammhalter übrig blieb. Seine Gattin war eine sächsische Grafentochter. Aus dieser Ehe stammte nur eine Tochter, Mathilde von Nellenburg.

Mit dem Tode Burkhards 1107 erlosch das mächtige und uralte Geschlecht der Nellenburger Landgrafen im Mannesgeschlecht. Seine Tochter Mathilde vermählte sich mit Adalbert, Graf von Mörsburg und Winterthur. Dessen Stammburg lag in Pfirt im Oberelsass. Er wurde mit seinem Sohn (oder Bruder) Erbnachfolger der Nellenburger und nannte sich Graf von Nellenburg und wurde so der Gründer des II. Nellenburger Stammes. Der Sohn Adalberts und Mathildes war Dietrich. Dessen Sohn Eberhard V. (gest. 1170) regierte beinahe ein halbes Jahrhundert.

In Urkunden finden wir ihn als Zeugen eines Tauschvertrages der Stadt Konstanz 1123 und dann wieder 1152. In seine Zeit fällt auch die erste nachgewiesene Belagerung der Nellenburg in der Mitte des 12. Jahrhunderts (1150). Dabei wurde der Edle von Hirspil durch einen Pfeil getötet. Über die Belagerung und deren Ergebnis ist weiter nichts bekannt, doch lassen verschiedene Umstände darauf schließen, dass die Belagerer wieder ohne Erfolg abziehen mussten, denn Graf Eberhard artete in Gesinnung, Mut und Tapferkeit seinem Vorfahren Ebbo nach. Die Sage hat auch seine Gestalt umwoben und erzählt uns Folgendes:

Im 12. Jahrhundert lebte Graf Eberhard von Nellenburg. Damals vertrieben die Mönche des Klosters Allerheiligen ihren Abt Gerhard. Graf Eberhard wollte denselben wieder in seiner Prälatur einsetzen und sperrte daher die Gefälle des Klosters. Da zogen die Mönche mit Kreuz und Fahne vor des Grafen Schloss und sprachen über Eberhard und sein Land den Bann aus. Darüber aufgebracht, sammelte dieser seine Vasallen und eilte den Mönchen, die bereits wieder abgezogen waren, nach. Beim Hohentwiel holte er sie ein. Die Mönche flohen in die nahe gelegenen Waldungen und warfen ihre Kirchenfahnen von sich, welche Eberhard auf seine Burg als Siegeszeichen mitnahm. Mehrere Mönche wurden verwundet und einige starben auf dem Kampfplatz. Eberhard setzte darauf wieder den Abt Gerhard in seine Würden ein.

Aber nach einigen Jahren empfand der Graf Gewissensbisse, und er beschloss, an einem Kreuzzug gegen die Sarazenen teilzunehmen, um in Palästina seine Schuld zu sühnen.

Nach seiner Rückkehr verdächtigte man seine Gemahlin so schlimm, dass man beschloss, durch ein Gottesurteil ihre Unschuld zu erproben. Sie bestand die Probe glänzend und auf dem Platze, wo sie ihre Hand in einen Kessel heißen Wassers halten musste, entsprang eine Quelle, welche bis auf die neueste Zeit eine wunderbare Kraft gegen Kopfschmerzen hatte. Dieser Brunnen ist nun auch verschüttet wie Nella’s Taufquelle.

Mit Eberhard V. verlosch der zweite Mannesstamm 1170. Dessen Tochter brachte die Güter durch Heirat an das Haus Veringen. Das Wappen der Nellenburger ist ursprünglich nicht ermittelt, bestand aber sehr wahrscheinlich in dem Bilde eines Steinbocks oder Widders und ist dem Geschlecht auf dessen Schöpfung, das Kloster Allerheiligen und später auf die Stadt Schaffhausen übergegangen, die es heute noch führt.
Das spätere Wappen trägt 3 Hirschgeweihstangen und ist das der Grafen von Veringen. Die Gemeinde Hindelwangen, zu deren Gemarkung die Nellenburg gehört, führt heute noch dieses Siegel, das auf der rechten Hälfte des Schildes die drei liegenden Hirschgeweihstangen zeigt, während die linke Hälfte 2 gekreuzte Jagdspieße und ein Hifthorn führt.

Die Grafen von Veringen gehen in ihrem Ursprung auf die Alemannenzeit zurück. Sie standen mit dem Württembergischen Grafenhause in verwandtschaftlichen Beziehungen, das ebenfalls die drei Hirschgeweihe im Wappen zeigt. Ihre Stammburg lag im Leuchertal. Wie die Nellenburg ist auch sie zerfallen, und nur spärliche Mauerreste überragen das zu ihren Füßen liegende Städtchen Veringen, das sich zur Unterscheidung von dem eine halbe Stunde flussabwärts liegenden Veringendorf, Veringenstadt nennt.

Einst waren die Herren von Veringen hoch angesehen in deutschen Landen hießen sich selbstbewusst Dynasten, unabhängig von jedermann, und verzeichneten mit Stolzgefühl unter ihren Ahnen einen hochberühmten, heiligen Mann, den seligen Hermann, den Lahmen, (Hermanicus contractus). Dieser lebte bei den Benediktinern auf der Reichenau, viele gelehrte Bücher schrieb, schöne geistliche Lieder dichtete, deren eines, das liebliche Salve Regina, ihn jetzt schon 900 Jahre überlebt hat, und der trotz seines armseligen Körpers ein geistesgewaltiger Mann war.

Graf Mangold von Veringen begründete den III. Mannesstamm der Grafen von Nellenburg. Er nannte sich Graf von Nellenburg und Landgraf im Hegau. Wahrscheinlich war er oder sein Vorgänger von den Staufern damit belehnt worden, da Kaiser Friedrich Barbarossa von einem Grafen Rudolf von Pfullendorf dessen Besitz und damit das Reichslehen Landgraf Hegau erhalten hatte.

Die ersten Kunde, welche die Grafen von Veringen als Herren der Landgrafschaft Nellenburg bezeichnete, ist vom Jahr 1179. Kaiser Friedrich befiehlt von Magdeburg aus, dem Grafen „Manegold” von Veringen, er solle beim Verlust der Kaiserlichen Gnade die Rechte des Klosters Allerheiligen zu Schaffhausen als Vogt desselben besser achten und von dessen Bedrückung absehen. Noch sicherer wird die Sache durch eine 1220 zu Salem ausgestellte Urkunde, darinnen erscheinen Manegolduset frater meus Wolfradus comitis de Nellenborc (Mangold und mein Bruder Wolfrad, Grafen von Nellenburg) mit dem Siegel Manegoldi com. de Veringin (mit dem Siegel Mangolds, Graf von Veringen). Noch einige weitere Urkunden:
1211. Die jüngeren Brüder des Grafen Eberhard bestätigen eine Schenkung im Schlosse Nellenburg in Gegenwart der Ritter Heinrich von Hindelwang und Berthold von Gutmadingen. Hier der Wortlaut:
Item ex donatione comitis Ebirhardi de Veringen predium in Sundernach, quod Heinricus faber habetat, et ipse pro salute sua idempredium in manus domini sui resignanit ea konditione, ut ecclesiie de Salem conferetur, quod et factum est in Altheim presentibus militibus, ni delicet Bertholdo de Bütelschiez et frater eius Alberto, Conrado nomme Loche et filio eius Conrado, Burcharde de Jungingen, Walter et Burchardo fratribus de Buzzechoven Postmodum iniores fratres ipsius donationen fecerunt eiusdem preddi in castro, quod Nellenburc dicitur, presente Heinrico milite de Hundelwanc et Bertholdo milite de Gutmadingen.

Diese Urkunde besagt: Aus der Schenkung des Grafen Eberhard von Veringen war ein Grundstück da, das der Schmied Heinrich besaß, der selbst um seines Heiles willen dieses Grundstück in die Hände seines Herrn zurückgab unter der Bedingung, das es der Kirche von Salem übergeben, das auch in Altheim geschah in Anwesenheit der Ritter Berthold von Bitelschiee und dessen Bruder Albert Konrad, genannt Loche und dessen Sohn Konrad Burchard von Jungingen, die beiden Brüder Walter und Burchard von Buzzenhofen. Alsdann haben die jüngeren Brüder die Schenkung bestätigt im Schlosse Nellenburg in Gegenwart der Ritter Heinrich von Hindelwangen und Berthold von Gutmadingen.

1263 urkundet am 17.  Januar Graf Mangoldus von Nellenburg.
1267 zog Wolfradus mit Konradin von Hohenstaufen nach Italien, von wo er nicht mehr zurückkehrte.
1278 kämpfte Mangold von Nellenburg mit Kaiser Rudolf von Habsburg gegen Ottokar von Böhmen, der in der Schlacht auf dem Marchfeld fiel.
1280 schenkt Graf Mangold dem Kloster Habstal leibeigene Weiber mit ihren Kindern als Zinsleute.
1282 15. Mai Ulm: Kaiser Rudolf erhebt die Stadt Pfullendorf zur freien Reichsstadt mit Stadtrecht. Zeugen: Graf H. von Fürstenberg und Mangold von Nellenburg.
1284 21. Oktober St. Blasien: Mangoldus comens de Nellenburg verkauft zur Minderung seiner Schuldlast einige Hofgüter in Filindorf, bei Bonndorf, um 13 Mark Silber an Arnold Kurweli. Im Jahr 1285 versetzt Graf Mangold v. Nellenburg dem Abte von Schaffhausen und seinem Gotteshaus die Vogtei zu Grafenhausen, Weizen und andere Orte um 50 Mark Silber und eben so seine Güter und Leute in Nider-Hallau um 85 Mark Silber.
1287 Ende Mai, Kaiserstuhl: Graf Mangold verkauft das Vogtrecht zu Berau an Ritter Hermann vom Stab zu Schaffhausen um 135 Mark Silber.
1288 Mangoldus comes de Nellenburg damnus et asignamus abbati et conventui monasterii sancti Blasii molendinum nostrum situm iuxta villam Hundelwanc, in quado residet pro domicilio et inhabitat Heinricus dictus molitor de Hundelwanc.
Zu Deutsch: Wir, Graf Mangold von Nellenburg, geben und weisen zu dem Abt und Convent des Klosters von Hl. St. Blasius unsere Mühle, die bei dem Dorf Hindelwangen liegt, in welcher wohnt und sich aufhält Heinrich, genannt der Müller von Hindelwangen.
1288 Offenbar dieselbe Tatsache meldet die Urkunde vom 25. April. Schloss Weißenburg. Mangoldus comes de Nellenburg überlässt dem Stifte St. Blasien für eine Geldschuld von 32 Mark Silber seine Mühle von Hindelwangen.

Die finanziellen Verhältnisse des Gräfl. Hauses scheinen nach den fortgesetzten Verkäufen zu schließen, damals nicht besonders gut gestellt gewesen zu sein. Dies hat aber offenbar ihrem Ansehen keinen Abbruch getan, denn damals schrieben sie sich „mitunter wie” der hohe Adel: von Gottes Gnaden. Eine Urkunde vom 16. August 1288 beginnt: Manegoldus die gratia comes de Nellenburg.
1290 16. März Stockach. Graf Mangold von Nellenburg billigt den Vertrag, nach welchem das Kloster St. Georgen Besitzungen in Walwies von Ritter Heinrich von Nenzingen erkaufte.
1291 17. Januar Nellenburg: Graf Mangold von Nellenburg überlässt dem Kloster Salem das Eigentumsrecht des „Nyvenhofes in Malsbüren” welchen seine Lehensleute Hugo und Otto, Brüder von Honberg um 9 Mark Silber an dasselbe verkaufen.
1291 13. April Salem: Graf Mangold von Nellenburg vermacht dem Kloster Salem Teile des Zehnet in Ursendorf, welchen die Brüder Burchard, Johannes und Ebbo von Rosenau von ihm zu Lehen hatten nebst einem Wald bei Hirschlatt.
1291 19. Juni. Graf Mangold von Nellenburg übergibt mit seiner Gemahlin Agnes und deren Vater von Eschenbach dem Ritter Schwager zu Schaffhausen den Kirchenplatz zu Lausheim.
1291: In einer Fehde mit den Habsburgern, mit denen die Nellenburger sonst in freundlichen Beziehungen standen (der Grund ihrer damaligen Verfeindung ist nicht aufgeklärt) belagerte im Jahre 1291 Herzog Albrecht von Österreich das Schloss Nellenburg, das der Graf Mangold verteidigte. Die Österreicher ließen die Burg durch Bergleute untergraben, wodurch der Hauptturm, nachdem die Friedensverhandlungen bereits eingeleitet waren, umfiel, und ohne zu bersten den Berg hinunterrollte. Die Feste wurde darauf übergeben, die Fehde war beendet. Mangold wurde dem Sieger lehenspflichtig, die Burg verblieb aber den Nellenburgern. Ob und welchen Ersatz der abgerollte Turm später gefunden hat, ist aus den Akten des General-Landesarchivs nicht nachweisbar.
1306 3. September Konstanz. Graf Heinrich von Veringen und Graf Eberhard von Nellenburg verkaufen wegen der drückenden Schuldenlast das Eigentumsrecht aller Besitzungen in der Herrschaft Trauchburg welche die Truchsessen von Waldburg bisher von ihnen und ihren Voreltern zu lehen hatten, namentlich ihre Rechte an die Stadt Isny, die Kastenvogtei des dortigen Klosters, die Burg Trauchburg und Zubehörden um 190 Mark Silber an ihren Blutsverwandten den Truchsessen Johann von Waldburg. Unter den Zeugen: N. Pleb de Stocka und N. Rectore eccl in Hundelwanc.
1310 2. Mai Baden. Graf Eberhard von Nellenburg verspricht der verwitweten Königin Elisabeth und ihren Söhnen 2 Jahre lang mit 10 berittenen Mannen im Lande zu warten und zu dienen, wofür sie ihm 100 Mark Silber zu geben geloben.
1320: An Martini 1320 wurde die Nellenburg „von den Hertzogen von Österreich gewunnen” (Mone, Quellensammlung der bad. Landesgeschichte Band I. S. 303). Ob hierbei die Burg ganz oder teilweise zerstört wurde, ist nicht bekannt.

Des Grafen Mangolds Sohn Eberhard der VI. hinterließ seinem Sohn Mangold das Nellenburgische Erbe. Nun folgen Eberhard der Ältere VII. und Eberhard der Jüngere, der 1370 stirbt. Er war der VIII. seines Namens und war mit Ursula von Zollern, der Tochter des Burggrafen von Nürnberg vermählt.
Aus dieser Ehe entsprossen 5 Kinder: Eberhard IX., Friedrich, Wolfram, Margarete Anna und Konrad. Friedrich wurde 1398 Bischof von Konstanz, dankte nach 10 Tagen ab und starb nach kurzer Zeit. Wolfram hatte keine Nachkommen, Eberhards Ehe war ebenfalls kinderlos, während Konrads Tochter mit einem Herrn Schwarzenburg ebenfalls ohne männliche Erben erhalten zu haben, vermählt gewesen war. Die Tochter Margarete Anna war mit einem Grafen von Thengen verheiratet.

Eberhard war Berater des Kaisers Sigismund, 1410 bis 1437. Er begleitete ihn 1413 nach Cremona, um wegen Beseitigung des Schismas „Drei Päpste-Regierung” mit Papst Johannes XXIII. zu beraten. Auf dem Konzil zu Konstanz, 1414 – 1418 wurden dann die Päpste abgesetzt und ein neuer, Fürst Colonna, eingesetzt, der als Martin V. den päpstlichen Thron bestieg. Den Baldachin über dem neu gewählten Papst trugen Graf Eberhard von Nellenburg, der Graf von Monfort, und die Grafen Thierstein und Ursini.

Während des Konzils fand 1415 die Belehnung des Burggrafen von Nürnberg Friedrich von Hohenzollern mit der Mark Brandenburg statt. Eberhard von Nellenburg war es auch, der über Hyronimus von Prag den Freund und Schüler von Johann Hus, das Todesurteil sprach, der dann am 13. Mai 1416 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Rund 200 Jahre saßen die Veringer auf dem ererbten Besitztum Nellenburg, dann hatte auch ihre Stunde geschlagen. Mit dem Tode Eberhards erlosch 1422 das Haus Veringen-Nellenburg, Grafschaft und Landgrafschaft Nellenburg kamen an seinen Schwestermann Hans von Thengen, Freiherr von Eglisau, der die IV. Linie der Landgrafen von Nellenburg eröffnete.
Die Nellenburger Herrlichkeit der Thengener ging aber rasch zu Ende, Verschwendungssucht, Kriegswirren und sonstige Geschehnisse verursachten immer mehr den wirtschaftlichen Niedergang dieses Geschlechtes.
Schon 1465 verkaufte der gleichnamige Sohn des Hans von Thengen Grafschaft und Landgrafschaft um 37905 Goldgulden, an Erzherzog Sigismund von Österreich. Ihre Herrschaft Eglisau hatten die Thengener schon 1455 in ihrer Fehde mit den Zürichern verloren. 1664 starb das Geschlecht aus.

Zur Zeit Eberhards des Seligen hatte die Landgrafschaft Nellenburg ihre größte Ausdehnung. Sie grenzte damals an neun Herrenländer und reichte von Krumbach bei Meßkirch bis nach Schaffhausen und von Leipferdingen bis auf die Rheinbrücke in Konstanz.
Im Laufe der Jahrhunderte aber hatte sie sehr an Umfang verloren. Manche Gebiete waren völlig unabhängig geworden. Die Grafschaftsverhältnisse erfuhren im Wandel der Jahre eine wesentliche Umgestaltung. Dabei wirkten verschiedene Dinge mit: Der Untergang des alten Volksheeres und die Ersetzung durch ein Berufssoldatentum, des Auftreten neuer Stände und ganz besonders die Entwicklung des niederen Adels, der Städte und der Klöster. So ist es nicht verwunderlich, wenn sich die Abtei Reichenau, der Ort Petershausen, die bischöfl. Konstanzischen Ämter Bohlingen und Öhningen, die Stadt Stein am Rh., der Hohentwiel, Schaffhausen, die Herrschaft Thengen, die Herrschaft Höwen, mit dem Städtchen Engen, u. a. die alle zur Landgrafschaft Hegau gehörten, selbständig verwalteten und in ihren kleinen Reichen eigene Herrscher geworden waren. Im übrigen Hegau aber übte der Landgraf von Nellenburg die alten gräflichen Rechte aus, nämlich, die hohe landgräfliche Obrigkeit, den Blutbann, den Forst- und Wildbann und das Geleitsrecht.

Unter den vielen Herren waren Grenzstreitigkeiten nicht allzu selten. Aber auf Fehde und Streit folgten auch wieder friedliche Zeiten und freundschaftliche nachbarliche Verhältnisse. So berichtet die Sage vom „Hockenden Stein”:
Bei Ruhestetten, nicht weit vom Kloster Wald, soll ein Stein gelegen haben, der 3 Sitze hatte. Hier stießen die Gebiete der Landgrafen von Nellenburg, der Grafen von Sigmaringen, und derer von Heiligenberg zusammen. Dort hielten diese drei Landesherren alljährlich eine Treibjagd ab, nach welcher, so erzählt man eine alte Jägersage, jeder auf dem „Hockenden Stein” den auf seinem Gebiet liegenden Sitz eingenommen hatte. Rücken an Rücken verzehrten sie dort einen kalten Jagdimbiß, erneuerten den Friedensbund und ritten dann wohlgemut wieder nach Hause.

Und nun zur österreichischen Herrschaft!!! Sie währte von 1465 bis zur Auflösung des Reiches 1805.

In diese Zeit fällt eine Zerstörung der Nellenburg, die wohl mit der von Stumpf in seiner swyzer Chronika 1554 erwähnten „Verbrennung der Nellenburg” im Jahre 1493 identisch ist. Darüber berichtet Zimmernsche Chronic (herausgegeben von D. Barack Bd. III. S. 152).
1510: Es haben die alte brief und documenta der rechten alten Graven von Nellenburg sollen zu grund gehen, dann vor vil Jahren hat ein mächtiger grave von Kiburg die graven von Nellenburg in einer vehde überzogen. Das schloss Nellenburg acht tag belagert und letztlich erobert und zerbrochen. Do sein die graven von Nellenburg umb ihre eltesten Brief kommen, das übrig ist hernach zu thengen in der prunst auch draufgegangen.”
Über diese letzterwähnte Feuersbrunst ist in derselben Chronik (Bd. 2 S. 416) ausgeführt: „Des graf Erharts von Thengen eltester sson graf Christof hausete zu thengen im Schloß, und nachdem soll ichs ein einziger großer stock, mit hilzinen stegen allenthalben versehen, begab sich im jahr 15 ains abends, das gedachten graf Christof etwas spat hett gebadt und das feur nit wol versorgt; also da menegelich im Schloß niederkam, gieng das feur um mitternacht an. Der graf erwacht aus diesem willen Gottes und schmakt das feur. Da steht er uf und findet das feur. Also geht er den nechsten zum tohrhüter, begehrt die schlüssel zum thor. Damit schleust er selbst uf und beschreit das feur also kam menegelich mit dem leben davon. Es waren sonderlich zurewen die brief und alte monumenta von dem alten herrlichen graven von Nellenburg und den freiherren von Thengen, die damals in dieser pruns hingangen. Man sagt dass deren bei zehen oder zwelf mölteriger seck seien voll gewesen. So sein aber die alten so liederlich gewest, das sie keine oder doch wenig gewelber, damit sie im fahl der not sichere behaltnus hetten gehapt.”

Infolge der Zerstörung der Nellenburgischen Akten und Urkunden durch diesen Brand, sind denn auch die urkundlichen Nachweise auf die Bauten und deren bauliche Einrichtungen bis in das 18. Jahrhundert sehr spärlich. Während des Schweizer oder Schwabenkrieges im Jahre 1499 hatte die Nellenburg, die von ihrem Vogt Christof Schenk von Limburg in Verteidigungszustand gesetzt worden war, anscheinend keinen Schaden erlitten. Die Schweizer hatten während der erfolglosen Belagerung der Stadt Stockach (21. bis 30. Mai 1499) die Burg wohl nur beobachtet, um sich gegen etwaige Überfälle der seitens der Nellenburger Besatzung zu sichern; zu einer wirklichen Belagerung der Burg selbst, wodurch sie nennenswert beschädigt worden wäre, scheint es überhaupt nicht gekommen zu sein.

Ähnlich verhielt es sich im Bauernkrieg 1524/25, wo der Landvogt Hans Jakob von Landau die Besatzung der Nellenburg befehligte. Der Angriff der Bauern richtete sich, abgesehen von Plünderungen und Brandschatzungen verschiedener Nellenburger Dörfer des Hegaus, hauptsächlich gegen die Stadt Radolfzell, an die Nellenburg selbst kamen sie nicht heran.
Eine kurze Unterbrechung der österreichischen Herrschaft trat im Jahre 1606 ein. Nach dem Tode Kaiser Ferdinands I. 1503 – 1564, erhielt sein zweiter Sohn Ferdinand Tirol und die vorderösterreichischen Lande, wozu die Landgrafschaft Nellenburg gehörte. Er ist in der Geschichte als Ferdinand von Tirol bekannt und war ein tüchtiger und beliebter Fürst. Da aber die aus seiner Ehe mit der Augsburger Patriziertochter Philippine Welser entsprossenen Kinder nicht als ebenbürtig angesehen wurden, zog Kaiser Rudolf II. (1556-1612) als Senior des Hauses Österreich die ganze Verlassenschaft an sich. Jedoch ließ der Kaiser sich später herbei, dem Sohne Ferdinands, Karl, dessen Bruder war der Kardinal Andreas, Bischof von Konstanz und Brixen – die Landgrafschaft Nellenburg zu überlassen. Mit Karls Tode, der im Jahr 1618 in Überlingen erfolgte, fielen die Lande wieder an das Haus Österreich zurück.
Der Vollständigkeit halber möchte noch zu erwähnen sein, dass die oben genannte Philippine Welser, nachdem sie zur Markgräfin von Burgen erhoben worden war, auch noch den Titel einer Landgräfin von Nellenburg führen durfte.

Während der österreichischen Zeit saßen Vögte auf der Nellenburg. Erwähnt wurden schon der Vogt Christof Schenk von Limburg z. Zt. des Schweizer oder Schwabenkrieges und Ritter Hans Jakob von Landau, der die Vogtei von 1516 ab 40 Jahre lang verwaltete. Er war wegen seiner Grausamkeiten und Bedrückungsmaßregeln der beim Volk am meisten verhasste Landvogt.
Nennenswertes ist aus dieser Zeit nicht mehr zu berichten. Selbst der 30 jährige Krieg (1618 – 1648) ging beinahe spurlos an der Nellenburg vorüber. Erst gegen Ende desselben, nachdem sich der Kriegschauplatz nach dem Norden unseres Vaterlandes verlegt hatte, erschien um 1640 der damalige Kommandant des Hohentwiel, Konrad Wiederhold, der als böser Geist des Hegaues und darüber hinaus bekannt war, vor der alten Feste. Er zerstörte das Nellenburger Schloss fast von Grund auf und verschüttete den 36 Klafter (etwa 70 Meter) tiefen Ziehbrunnen im Burghof mit Steinen. In der Überlinger Franziskaner Kirche holte er die Orgel, ließ sie auf dem Hohentwiel bringen, um bei ihren Klängen fromme Choräle zu singen. Konrad Wiederhold starb als Stadtvogt von Kirchheim a. d. Teck. Eine Gedenktafel an der dortigen Stadtkirche kündet, dass dort der „ehrenfeste und gestrenge Herr” seine Ruhe gefunden hat.

Bis zum Jahre 1669 war die Burg wieder hergestellt, und selbst der Brunnen wurde wieder ausgegraben. Ein Urbar – (Grundbuch) aus dieser Zeit beschreibt uns, wie sie nach dem Wiederaufbau ausschaute. Dieser Urbar wurde von dem damaligen vorderösterreichischen Haupmannschaftverwalter Dietrich von Landsee, Konstanz aufgestellt.
„Das Schloß Nellenburg hatte 7 Stuben, 9 Kammern, 2 Küchen und 3 Keller mit eisernen Türen. Gleich beim Eingangstor, linker Hand eine Kapelle, St. Gangolf und St. Sebastian geweiht. Darin war aufbehalten, und zu sehen des Sebastiani Spindel, in einer silbernen Hand liegend, mit der Grafen von Nellenburg Wappen versehen. Alljährlich wurde eine Wallfahrt aus der näheren und weiteren Umgebung verrichtet.”
Nächst der Kapelle war ein Brunnen mit 36 Klaftern tiefe. Mittels eines Rades wurde das Wasser geköltert (geschöpft) und getrieben. Vor dem Eingang des Schlosses befand sich noch ein Weintorkel mit allem Zubehör, Keller und Kornschütten samt etlichen Stallungen, woran ein viereckiger Turm angehängt war.”
„Auf der Bastei genannt liegt das Schloss gegen Aufgang der Sonne und Kraut und Baumgarten. Eine Scheune mit doppelten Stallungen.”
Selbstverständlich waren auch Befestigungsanlagen vorhanden. Ganz besonders wird die südliche starke Umfassungsmauer hervorgehoben, von der ja noch ein gut Teil zu sehen ist. Rund 100 Jahre später – 1782/83 ließ Österreich die völlig verwahrloste und äußerst baufällige Nellenburg abbrechen. Grund des Abbruchs waren Ersparung der Unterhaltungskosten und Verwertung der Baumaterialien. So mag wohl manches Haus in Stockach noch Steine der alten Nellenburg in seinen Mauern bergen. Der große, über dem Felsen gestandene Turm war schon früher, bei einer Belagerung unterhöhlt und gestürzt worden. „Wie ein mächtiger Mehlsack sei er in seiner ganzen Länge in die Tiefe gestürzt.” So berichtet ein Chronist.

„Zur Burgwirtschaft 147 1/8 Jauchert Felder und Reben,” „von 2 Rebmännern gebauen: oberes Rebhaus 4 7/8 Jauchert, unteres Rebhaus 3 Jauchert 13 Ruthen.” Also etwa 8 Jauchert Reben. Was mag da zur Zeit der Weinlese ein frohes Leben und Treiben geherrscht haben! Es ist wohl kaum ein halbes Jahrhundert her, seit der letzte süße „Nellenburger” getrunken wurde. Wie schon erwähnt, blieb die Landgrafschaft Nellenburg bis 1805 beim Erzhaus Österreich. Durch den Pressburger Frieden wurde das „Tausendjährige heilige römische Reich deutscher Nation” zu Grabe getragen. Viele regierende Fürstenhäuser wurden mediatisiert und verloren ihre Souveränität, andere konnten ihr Gebiet beträchtlich vergrößern, wie der Markgraf bzw. Kurfürst von Baden, der von Napoleons Gnaden Großherzog wurde und der Herzog von Württemberg, der auf die gleiche Weise zur Königswürde aufrückte. Viele Klöster verfielen der Säkularisation, das heißt, der Aufhebung, deren Besitz wurde an die Fürsten verteilt.
Die Landgrafschaft Nellenburg kam zunächst an Württemberg, 1810 aber an das Großherzogtum Baden. So wandelten sich die Zeiten. Das einst blühende Geschlecht der Nellenburger ist untergegangen. Nur noch spärliche Ruinen zeugen von einstiger Macht und Herrlichkeit. Gebrochen sind die Mauern, verstummt sind Schwerterklang und Hörnerruf, und auch von der einst hoch ragenden und stolz in die Lande schauenden Nellenburg gilt das Lied:

„Ihre Mauern sind verfallen
Und der Wind streicht durch die Hallen,
Wolken ziehen drüber hin.
Zwar die Ritter sind verschwunden,
Nimmer tönen Speer und Schild,
Doch dem Wandersmann erscheinen
Auf bemoosten alten Steinen
Nachtgestalten zart und mild.”

Die Nellenburg im 20. Jahrhundert

Das Nellenburger Hofgut hatte nach der Volkszählung vom 8. Oktober 1919 bei einer Haushaltung und einem Gebäudewesen 20 Einwohner. Die dazugehörigen Grundstücke bestehen in 39,96 ar Hofraite, 48,14 ar Hausgärten, 63,0619 ha Weide, 196,8856 ha Wald, 55,53 ar ertraglose Fläche, 1,7551 ha öffentliche Plätze, Strassen und Wege, 37,78 ar Seen, Bäche und s. w. zusammen = 282,9103 ha. Davon sind 184,1778 ha Staatswald, 94,8491 ha – vorwiegend landwirtschaftliches Gelände – gehören den Graf Wilhelm Douglas’schen Erben, 3,8854 ha entfallen in kleinen Parzellen auf 14 Eigentümer einschließlich Landesfiskus (Landstrasse). Von den Ausmärkern sind neun in Nenzingen, 2 in Stockach. In steuerlicher Hinsicht enthielt die Gemeindeliste für Steuern vom Jahre 1923 folgende Steuerpflichtige und Steuerwerte:

A) der Badische Staat mit 200,- für Gebäude, 6885,- Mark für Waldungen, zusammen 364762,- Mark.
B) ein Einwohner mit 114000,- Mark
C) 20 Ausmärker mit 33000,- Mark für Gebäude, 6885,- Mark für Waldungen, 147238,- für sonstige Grundstücke, zus. = 187123,- insgesamt 22 Steuerpflichtige mit 33000,- Mark Steuerwert für Gebäude, 391447,- Mark für Waldungen, 147238,- Mark für sonstige Grundstücke, 114000,- Mark für Betriebsvermögen, somit Summe der Gesamtsteuerwerte = 685885,- Mark.

Schon Anfangs der 1920er Jahre waren wegen Vereinigung der abgesonderten Gemarkung Nellenburg mit der Gemeinde Hindelwangen Verhandlungen eingeleitet worden, die durch die am 17. Oktober 1924 zwischen den Gemarkungsinhabern und der Gemeinde Hindelwangen getroffene Vereinbarung ihren Abschluss fanden. Hiernach wurden mit Wirkung vom 1. Oktober 1925 in der Hauptsache folgende Bestimmungen getroffen:
Den seitherigen Gemarkungsinhabern obliegt weiterhin die Unterhaltspflicht der öffentlichen Wege, die Feldhut und Farrenhaltung gegen einen jährlichen Zuschuss seitens der Gemeinde Hindelwangen von 900,- Mark, wovon die gräflich Douglas’sche Grundherrschaft in Langenstein und das Forstamt Stockach je die Hälfte erhalten. Die Grundstücke der ehemaligen Gemarkung Nellenburg dürfen nur mit Zustimmung der Grundeigentümer der allgemeinen Schafweide unterworfen werden. Die Viehbesitzer von Nellenburg dürfen – müssen aber nicht – der Ortsviehversicherung als Mitglieder beitreten. Die Eigentumsverhältnisse an öffentlichen Wegen bleiben unberührt. Das Jagdrecht richtet sich auch für die Zukunft nach dem Jagdgesetz. Bei Erneuerung und großer Reparatur der seitherigen Wasserleitung sowie der elektrischen Leitung einschließlich Transformatorenanlage leistet die Gemeinde Hindelwangen einen Beitrag.
Wenn nach dieser Vereinbarung ein Teil auf der früheren Gemarkung Nellenburg zu erfüllenden öffentlichen Aufgaben nach wie vor den seitherigen Gemarkungseigentümern zur Last fällt, so sind anderseits die Vorteile, die sie nun als ein dem ganzen Gemeindewesen von Hindelwangen inkorporierten Teil genießt, nicht zu unterschätzen, Streitigkeiten, wie sie früher zwischen Nellenburg und Hindelwangen vorgekommen sind, ist nun vorgebeugt. Das Hofgut Nellenburg selbst ist ein wertvoller Teil der Gemeinde Hindelwangen, aber auch eine befriedigende Einkommensquelle für Eigentümer und Pächter.
Am Schluss sei noch angefügt, dass am 8. Oktober 1931 die große Scheuer auf der Nellenburg, in der 2500 Zentner Heu lagerten, völlig nieder brannte. Der Schaden wurde auf 30 – 35000,- geschätzt. Die Brandursache soll ein Defekt an der elektrischen Leitung gewesen sein.

  • Keine Kommentare