Das 19. Jahrhundert
Kessi 11. Juni 2008
Änderungen der Besitzverhältnisse.
Alodifikation.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren gewaltige Veränderungen der politischen Verhältnisse eingetreten. Die Koalitionskriege, die von 1796 bis 1801 unsere Gegend zum Kriegschauplatz gemacht hatte, waren durch den Frieden von Pressburg beendet worden. Dieser Friede brachte auch das Ende der Landgrafschaft Nellenburg. Das bisher Vorderösterreichische Land wurde aufgeteilt und kam 1805 an Württemberg und dann 1810 an Baden.
Die Bevölkerung war mit der jahrhunderte währenden österreichischen Herrschaft verwachsen und trennte sich nur ungern von ihr. Aber die vielen Kriegsjahre hatten die Gemeinden völlig erschöpft und so wurde die erfolgte Umgruppierung der staatlichen Gewalten ohne besondere Anteilnahme hingenommen. Zu viel Enttäuschung, Kummer und Not lasteten auf den Einzelnen.
Das Jahr 1815 hatte zwar den Frieden gebracht, aber nun kamen die schlimmen Jahre 1816 und 17. Sie brachten infolge Misswuchs eine ungeheure Teuerung. Im Juni 1816 fingen die Preise der Früchte an zu steigen und kamen auf eine solche Höhe, welche sie zuvor nie erreicht hatten. Das Malter Korn, Stockacher Maß, kostete im Jahre 1817 80 fl. Das Malter Gerste 50-60 fl. Das Pfund Brot wurde zu 22-24 Kr. verkauft ein viertel Erdäpfel kostete 2 fl. bis 2 fl. 45 Kreuzer. Ein Maß Wein 1 fl. – 1 fl. 30 Kr. die Maß Bier 16 – 20 Kreuzer.
Landwirtschaft und Viehzucht bildeten von jeher die Haupterwerbsquellen der Bevölkerung. Ihr Dasein entwickelte sich im Gleichschritt des bäuerlichen Lebens. Lange hielt die wirtschaftliche Not an. Wie oben geschildert, waren die Güter meist Schupflehen oder Erblehen. Unter Schupflehen, Falllehen oder Fallgut verstand man ein Bauerngut, das nach dem Todesfall des damit beliehenen jedes mal dem Gutsherrn wieder anheim fiel. Erblehen waren ein erbliches bäuerliches Nutzungsrecht.
Infolge der früheren und immer noch andauernden Notzeiten waren die Güter stark verschuldet. Ständig lesen wir von Anleihen bei den verschiedensten Stellen. Die Landschaftskasse Stockach, die Lorettopflegschaft Stockach, die Großh. Domänenverwaltung, die Reischach’sche Stiftung in Konstanz, die Pfarrei Hindelwangen, die Stiftungspflege Malspüren u. a. waren die Geldgeber. Auch verschiedene Privatgeldgeber, so die Juden Abraham Jakob von Wangen und Leopold Rothschild von Worblingen wurden in Anspruch genommen.
Als Beispiel dieser Darlehenswirtschaft möge hier ein Eintrag aus dem Jahre 1828, beurkundet von Vogt und Pfandschreiber Reiser erfolgen:
Müller Tomas Riegger und dessen Ehefrau M. Josefa Wiggenhauser nehmen ein Kapital von 500 fl. zu 5 % verzinslich von der Großh. Domfabrikpflege Konstanz auf und geben zum Unterpfand ihre eigentüml. Ehemännliche Säg-Öhlmühle und Hanfreibe samt Wohnung unter einem Dach unten am Ort, am Achbach stehend ist laut Brandkataster Nr. 31 eingetragen und gerichtlich abgeschätzt per 3000 fl. = Dreitausend Guld. Ebenso von der Kapellpflege Nellenburg zu Hindelwangen ein Kapital von 200 fl. wird beides auf dreyfache Versicherung für die Aufnahme 200 fl. bzw. 500 fl. also 600 fl. bzw. 1500 fl. als wahres Ehemännl. eigentümliches Unterpfand eingetragen. Die Großh. Domfabrikpflege hat das Vorrecht mit 1500 fl.
1829: Laut Großh. Kreisdirektorial-Verfügung vom 14. Dezember 1829 wurde der Weiler Burgtal von der Gemeinde Zoznegg getrennt und der Gemeinde Hindelwangen einverleibt. Burgtaler Einwohner waren in diesem Jahr:
Georg Keller, Ehefrau Agathe Jäck, Vogt Bregenzer von Burgtal, Ehefrau Katharina Waker (Weber). Valentin Sernatinger, Ehefrau Agathe Scheerer, Besetze, Thomas Schilling, Ehefrau Maria Marti (Martin). Martin Martin, Ehefrau Maria Frank, Johann Bühler.
1830: 15. März wird Wagner Josef Honold Gemeinderechner, zur Sicherung auf seine Liegenschaften ein Pfandrecht eingetragen.
Das Jahr 1830 brachte große Kälte, sodass der Bodensee zugefroren war und drei Mann zu Fuß nach Hagnau von Konstanz gingen, ebenso von Wasserburg nach Rorschach. In diesem Jahr starb Großherzog Ludwig, der letzte echte Zähringer und Leopold, der Sohn des Großherzogs Karl Friedrich und der Gräfin von Hochburg trat die Regierung an.
Seitdem die Landgrafschaft Nellenburg zum Großherzogtum Baden gekommen war, wurden seitens der Bad. Regierung Schritte unternommen wegen Allodifikation der Schupflehen d. i. Übertragung der Güter zu Eigentum. So wird durch Beschluss der Großherzoglichen Hochpreislichen Domainen-Kammer Karlsruhe vom 26. April 1831 Nr. 9249 an Anton Schroff, Witwe nun verehl. Simon Hänsler zu Braunenberg ihr besitzender Erblehenhof durch Allifikation zu Eigentum für die Summe von 1378 fl. 35 Kr. überlassen. Bürgermeister ist zu dieser Zeit ein Grundler. Sein Vorgänger war Vogt Christian Baumann.
1832: Den 12. Februar erschien vor dem versammelten Pfandgericht Herr Dr. Bircher von Bregenz als Curator des Fräuleins M. Anna Lucretia von Clavell zu Bregenz und trug unter Hinweis auf das Kontakten- und Grundbuch vor, dass ihm Nachbenannter folgendes Grundstück abgekauft habe: Johannes Reiser 2 Vierling 4 Ruthen Ackerfeld im Himmelreich Urb. Nr. 102 eins Pfarreracker, anderseits Kaplaneyacker für 157 fl. 30 Kr. — Es hat unter obiges Dato der Curator Herr Dr. Birchner für die M. Lucretia von Clavell zu Bregenz folgende Liegenschaften unter Leitung Amtrevisiorrats Stockach den Meistbietenden öffentlich versteigert:
1 Vierling 9 Ruthen im Siggental Urb. Nr. 71 einers. Ochsenbühl, anders. Matias Grundler, Käufer Adam Wachter für 85 fl. 1 Vierling 10 Ruthen Urb. Nr. 78 eins. an Braunenberger Weg, ands. Matias Grundler derselbe Käufer für 96 fl.
An Bräumeister Müller von Zizenhausen unter Bürgschaft des Kronenwirts Hinterskirch zu Stockach: 1 Jauchert 15 Ruthen Urb. Nr. 93 der Bigacker eins. Gemeinsgut ands. Widumgut für 282 fl.
1832: Müller Riegger kauft von M. Bucrecia von Clavell durch Dr. Bircher, Ackerfeld: 2 Jauchert 3 Vierling 3 Ruthen Lochacker für 301 fl., 1 Jauchert 8 Ruthen im Himmelreich für 315 fl. zus. = 616 fl.
1833: Durch Beschluss der Großh. Hochpreisl. Hof. Dom. Kammer Karlsruhe ist dem Vasallen Joh. Georg Keller in Burgtal sein wirklich besitzendes Schupflehen, Buchenhof genannt, im Wege der Allodifikation als Eigentum für die Summe von 3415 fl. 13 Kr. überlassen worden. Ebenso ist im selben Jahre dem Vasallen Josef Bregenzer, Bauer in Burgtal sein wirklich besitzendes Lehensgut, Aichenhof genannt, im Wege der Allodifikation als Eigentum für die Summe von 3800 fl. überlassen worden. Desgleichen dem Vasallen Tomas Riegger, Müller sein wirklich besitzendes Lehensgut, Schwanengut genannt, für 1374 fl. 46 Kr. Im selben Jahr erwarb der Müller Riegger das von Clavell’sche Lehen, bestehend in einem Wohnhaus samt Mühlgebäude und dem dazu gehörigen Gütern käuflich.
1833: Der Schupflehenhof, das Fasanengut, Eigentum des Hofrats von Tsceppe und seiner Ehefrau Krecenzia von Schütz verliehen an Matias Grundler:
Gebäude und Hofraite = 83 Ruth. 96 Fuß, Anschl. 1500 fl.
Garten 1 Morgen 23 Ruthen 86 Fuß Anschl. 394 fl. 35 Kr.
Wiesen 6 Mo. 1 Vierl. 2 Ruth., 86 Fuß 828 fl. 45 Kr.
Ackerfeld 45 M. 2 V. 92 R. 30 F. 4423 fl. 42 Kr.
Waldung 17 M. 10 Ruth. 70 Fuß 936 fl. 28 Kr.
zusammen = 70 Mo. 3 Vierl. 83 Ruth 5 Fuß, 8083 fl. 30 Kr.
1834: Vor dem Pfandgericht erscheint Frau Crecenzia von Tsceppe geb., von Schütz mit ihrem Ehemann Herr Hofrath von Tsceppe als gesetzlichem Vertreter (Beistand) und zwar mit dem Vortrag: Es habe ihr Mathias Grundler das bisherige Schupflehen, Fasanengut genannt, für die Kaufsumme von 5250 fl. abgekauft.
1834: Durch Beschluss der Hochpreisl. Hof-Dom. Kammer in Karlsruhe wird an den Vasallen Frl. Lucretia von Clavell in Bregenz ihr wirklich inhabendes Erblehen Schneehuhn- und Pfauengut für die Allodifikationssumme von 2710 überlassen und dann durch Kauf an Christian Baumann, Thomas Riegger und Johann Reiser um die gleiche Summe verkauft.
1834: Dem Vasallen Johann Amann von Braunenberg wird sein wirklich besitzendes Schupflehen für die Summe von 3078 fl. 11 Kr. als Eigentum überlassen.
Über das Jahr 1834 befindet sich im Stockacher Narrenbuch folgender Eintrag: Im allgemeinen genommen, darf das Jahr 1834 zu den gesegnetsten seit längerer Zeit gerechnet werden, nicht nur eine Menge guter Früchte wurden eingebracht, sondern auch ein vorzüglicher Wein wurde erzielt, welcher mit Recht an Seite dem von 1811 gestellt werden darf, und welcher seiner Güte und Wohlfeilheit halber heute noch in gutem Andenken steht.
Schon 1831 hatte die Allodifikation des Schupflehens des Martin Martin in Burgtal stattgefunden, ebenso die Allodifikation des Erblehenhofes Braunenberg der Anton Schroff, Witwe verehelichte Simon Hänsler für 1387 fl. 35 Kr.
1836: Durch Beschluss der Großh. Domainenkammer wird an den Vasallen Franz Anton Renner zu Nellenburg sein wirklich besitzendes Schupflehengut im Wege der Allodifikation für die Summe von 14095 fl. 5 Kr. als Eigentum überlassen, Franz Anton Renner und seine Ehefrau Anna Maria geb. Martin nehmen von der Verwaltung der Vereinigten Ämter in Schaffhausen ein Darlehen von 15000 fl. auf, verzinslich mit 4 % (am 21. April) 1846 zahlt das Rentamt Langenstein dieses Kapital zurück).
1840: Sind die Geschwister Xaver Renner und Anna Maria Renner Besitzer des Nellenburger Hofgutes. Ignaz Bader von Stockach leiht ihnen den Betrag von 4000 fl. (Auch dieses Kapital wird 1844 durch das Gräfl. Rentamt Langenstein abbezahlt.)
1841: Im März 1841 hat das Rentamt Langenstein das Hofgut Nellenburg von Franz Schroff um 52000 fl. angekauft. Ebenso geht der Lohnerhof von Witib Leopold Längle namens Maria Agata Müller für die Kaufsumme von 25000 fl. an die Grundherrschaft Langenstein über.
1853: Im Jahre 1853 wurde zwischen der Pfarrei Hindelwangen als Lehnsherr des Pfarreischupflehens und Simon Hänsler von Braunenberg als Besitzer dieses Gutes ein Ablösungsvertrag geschlossen, der als Beispiel für alle ähnlichen Verträge hier im Wortlaut folgen soll:
Simon Hänsler hat der Pfarrei-Schupflehen schon seit dem Jahr 1823, in welchem er sich mit der Witwe des letzten Lehnsbesitzers Anton Schroff verheiratete, in Besitz aber ohne Vorwissen und Genehmigung der Landesherrliche Oberkirchenbehörde als Oberlehensherrn und ohne das derselbe je mit dem fraglichen Gute belehnt worden wäre. Nachdem endlich im Jahre 1847 die Besitznahme dieses Lehensgutes durch Simon Hänsler zur Kenntnis der besagten hohen Behörden gekommen ist, ist daran, weil Hänsler an solches keinen rechtlichen begründeten Anspruch hat, Anstand genommen worden.
Auf seine eingelegte Bitte wurde ihm jedoch im Jahre 1850 guttatsweise und aus Billigkeitsrücksichten die Verleihung des mehrerwähnten Lehensgutes unter der Bedingung zugesagt, dass dabei der Lehenszins gemäß § 4 des Lehensgesetzes vom 15. November 1833 auf drey Fünfteile vom Pachtwert desselben erhöht werde. Inzwischen aber hat Simon Hänsler um Gestattung der Allodifikation des Lehensgutes nachgesucht und es ist ihm in diesem Gesuche willfahrt worden. Die Allodifikation wird nun vollzogen, und es bedarf daher die Aussetzung eines Lehensbriefes für ihn nicht mehr, dagegen muss gleichwohl die Erhöhung des Lehenszinses nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 15. November 1833 stattfinden und der erhöhte Lehenszins zur Ablösung gebracht werden. In Anbetracht dessen wurde heute zwischen Pfarrer Franz Schindler zu Hindelwangen namens des bisher besprochenen Lehensgutes folgender Ablösungsvertrag geschlossen: folgen die Grundstücke: ein Teil des Hofes war Lehen Schaffhausen Allerheiligen, ein anderer Teil nach Allerheiligen Schaffhausen gehörig, der Zehent in das Amt und in das Gotteshaus Klosterwald halbteilig. Baumgärten 6 7/10 Jauchert 210 Schuh q. Einmädige Wiesen 5 5/8 Jauchert 8 Ruth 132 q Schuh, Ackerfeld in allen 3 Eschen 21 5/16 Jauchert 5 Ruth 60 qSchuh, Waldungen 7 ¾ Jauchert 5 Ruth. 100 qSchuh.
Der Lehenszins den Simon Hänsler von den vorbenannten Gütern an die Pfarrei Hindelwangen jährlich zu entrichten hatte, bestehend in:
a) 1 fl. 34 ½ Kr. Geld.
b) in 5349 Becher Veesen
c) in 2674 Becher Hafer
d) in 1126 Becher Roggen
e) 60 Stück Eier
f) 6 Stück Hühner und der Ehrschatz, welcher bei jeder Besitzveränderung zu zahlen war, beträgt 15 fl.
Der neue Lehenszins, welcher nach dem oben gesagten hier zur Ablösung gebracht wird nach dem Gesetz vom 15. November 1833 wird also berechnet: Der Pachtwert des fraglichen Lehengutes beträgt nach der Abschätzung des Gemeinderats Hindelwangen in Naturalien: 30 Malter Veesen, 20 Malter Roggen, 11 Malter Hafer, der Marktstätte Stockach in den letzten 20 Jahren berechnet, ergeben einen Geldwert
a) für 30 Malter Veesen zu 4 fl. 49 Kr. = 144 fl. 30 Kr.
b) für 20 Malter Roggen zu 6 fl. 27 Kr. = 129 fl. –
c) für 11 Malter Hafer zu 3 fl. 52 Kr. = 42 fl. 32 Kr.
316 fl. 2 Kr.
Hiervon betragen dreifünftel = 189 fl. 37 Kr. Davon sind als Lasten abzurechnen:
1. Aus 3382 fl. 50 Kr. Steuerkapital die Staatssteuer mit 19 Kr. per 100 fl. mit = 10 fl. 43 Kr.
2. Die Gemeindeumlage im Durchschnittsbetrag von 10 1/10 Kr. per 100 fl. = 5 fl. 42 Kr.
3. Der 12te Teil des Ehrschatzes mit 15 fl. = 1 fl. 15 Kr.
zusammen = 17 fl. 14 Kr.
Es verbleiben daher als neuer Lehenszins 171 fl. 57 Kr. Dieser Betrag wird gemäß § 6 des Gesetzes vom 21. April 1849 achtzehnfach zum Ablösungskapital erhoben mit 3095 fl. 6 Kr. Das Ablösungskapital für den Ehrschatz ad 15 fl. besteht nach § 7 des Gesetzes vom 21. April 1849, da solches bei jeder Besitzveränderung bezahlt werden muss, in der Hälfte seines Betrages daher in 7 fl. 30 Kr. Endlich das Ablösungskapital für die Heimfallshoffnung berechnet sich nach § 8 lit. c des allegierten Gesetzes, also der Gutswert ist abgeschätzt auf 6255 fl. 20 Kr. Davon gehen die Ablösungskapitalien für den Lehenszins und Ehrschatz ad 3102 fl. 36 Kr. Rest = 3152 fl. 44 Kr. Hiervon 4 % gibt ein Ablösungskapital für die Heimfallshoffnung 126 fl. 6 Kr. Das Gesamtablösungskapital, welches Simon Hänsler für das besagte Lehensgut der Pfarrei Hindelwangen zu entrichten hat, beträgt daher 32 fl. und 42 Kreuzer. Von 1850 Martini an mit 5 % zu verzinsen und in 6 Terminen jährlich abzutragen.
Hindelwangen, den 21. Jänner 1853.
gez. Pfarrer Schindler Simon Hänsler.
Vorstehender Vertrag wird namens der Pfarrei Hindelwangen genehmigt.
Karlsruhe, den 24 Februar 1853
Großherzggl. Kath. Oberkirchenrath.
gez. Prestinari.
Abschrift beglaubigt Bgstr. Fritz
Gemeinderath Karl Bommer Jos. Fuchs Martin Bregenzer
Ein gleicher Vertrag liegt von über ehemaligem Kaplaney-Schupflehengut zu Brauneberg, welches Simon Hänsler mit einem Gesamtkapital von 2271 fl. 18 Kr. an die Pfarrei zu entrichten hatte.
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Im Jahre 1853 wurde zwischen dem Großherzogl. Bad. Domainenamt Ärar und der Gemeinde Hindelwangen ein Zehntablösungsvertrag geschlossen. Desgleichen wegen Lohnerhof und Berlingerhof. Die endgültige Ablösung des Zehntens erfolgte durch Gesetz vom 15. November 1853. Armut und Not zwangen um die Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts manche zum Verkauf ihres Anwesens und zur Auswanderung. Besonders aus Zizenhausen ergriffen manche den Wanderstab. Einzelne asoziale Elemente sind mit Hilfe des Bad. Staates ausgewandert.
1857: Kauft die Gemeinde Zizenhausen von Alois Grundler einen Acker von ¾ Morgen in unteren Lugen zum Preis von 1 fl. 3 Kr. pro Ruthe zur Anlage eines Friedhofes. Vermutlich hat Zizenhausen als Filiale der Pfarrei Hindelwangen ihre Toten bis dahin auf diesem Friedhof beerdigt.
1859: Die Jakob Grundler’schen Eheleute verkaufen an die Gebrüder Bloch von Randegg ihr Gut mit 59 Jauchert oder 70 Morgen 1 Vierling Bad. Maß für 22000 fl. Von Gebr. Bloch erwirbt Alois Grundler das Haus.
In der ersten Hälfte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren folgende Geschlechter ansässig:
In Hindelwangen: Baumann, Vogt. Reiser Anton, Altvogt. Rieger Tomas, Müller. Honold Josef, Wagner. Kramer Desiteureus. Kirchmann, Damian. Renner Veit, dessen Tochter Genoveva, verehelicht mit Alois Grundler. Goser Maria, Witwe geb. Geiger. Wiggenhauser Anton, Ratschreiber. Grundler Konrad. Freistätter Ana Maria. Keine Georg, Adlerwirt. Mayer Ullrich. Wiedenhorn Vinzenz. Buck Anton. Regenscheit Josef. Gauggel, Müller. Fuchs Josef, Berlingerhof. Reiser Johann. Reiser Josef. Reiser Tomas. Grundler, Bürgermeister. Fritz Benedikt, Bgstr. Geiger Peter. Eisele, Ratschreiber. Grundler Jakob. Müller, Anton. Schappeler Johann Babtist. Egle Josef. Kempter Johann Babtist. Happle Johann, Steinhauer. Stumpf Ignaz. Wiedenhorn Konrad. Bommer Karl, Müller.
In Burgtal: Bregenzer Josef. Keller Johann Georg. Martin Martin. Bühler Katharina. Renner Sebastian. Meyer Matias. Schafhäutle Michael.
In Nellenburg: Renner Franz Anton. Schroff Franz. Schafhäutle Thekla.
In Bestze: Schweikart Johann. Müller Jakob.
In Brauneberg: Amann Johann. Schroff Anton. Hänsler Simon.
In Lohnerhof: Längle Leopold.
Die Namen der Geschlechter der Gemeinde Hindelwangen waren einem starken Wechsel unterworfen. Das ist ohne Zweifel eine Folge der armen und schlechten Zeiten. Die Seelenzahl zeigt aber im 19. Jahrhundert und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nur geringe Schwankungen. Die Volkszählungen ergaben in den
Jahren: 1818 1852 1871 1890 1910 1925
Einwohner 318 377 325 299 300 321
Im letzen Viertel des 19. Jahrhunderts besserten sich allmählig die Verhältnisse. Insbesonders nach 1871, nach der Wiedererstehung des Kaiserreiches, in der Gründerzeit nahm die Industrie einen gewaltigen Aufschwung; Deutschland wurde aus einem Agrarstaat ein Industriestaat, der Arbeit und Verdienst brachte. Auch die Landwirtschaft hatte, besonders in den 90er Jahren gute Zeiten, abgesehen von dem Jahre 1893. Dieses Jahr war außergewöhnlich trocken, so dass es fast kein Futter gab und solches nur zu ungeheuren Preisen zu bekommen war. Während die Viehpreise so niedrig waren, dass man für 150 bis 200 Mark eine schöne Kuh kaufen konnte. Die Jahre bis zum Ende des Jahrhunderts waren wieder gute Jahre.
So trat man mit großen Hoffnungen in das neue, ins 20. Jahrhundert ein, nicht ahnend, dass sich in der Ferne dunkle Gewitterwolken am politischen Himmel zusammenballten, die zu fürchterlicher Entladung drängten und die Welt für ein halbes Jahrhundert mit Blut und Tränen tränkten.
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