Der Hegau und seine Besiedlung
Kessi 11. Juni 2008
„Das Hegöw liegt im Schwabenland zwüschend dem Celler und Undersee, dem Rhin und der Donow, soll sechs mil wegs wit und breit sin. Also ziklets und mists Sebastian Münster us. –
Das Hegöw ist zwar, wie Munserus zeigt, ein klein, aber über die Maß ein wol erbuwen und fruchtbar ländlin von win, wiß und rot, korn und obs. Man findet auch darin gut fisch, vögel und wildprät. Es hat viel schöner stättlin, darunter Stockach, das fürnehm ist, viel schöner lustiger flecken und in die 46 weerhafter schlösser, deren etliche nit nur von mendschlicher fürsichtigkeit, sondern von Natur aus wol bewaret, dermassen, das etliche als vil starke bolwerk und vorwerinnen des ganzen Schwabenlands werind“ — ….
Mit diesen Worten schildert der Chronist der Stadt und Landschaft Schaffhausen, Johann Jakob Rueger im Jahre 1606 die Landschaft des Hegaues.
Der Name des Gaues wird zum ersten Mal im Jahre 787 als Pagus Egaeinsis genannt. Älter, viel älter als die Grafschaft Hegau ist der Name dieses Gaues. In Hegau steckt ohne Zweifel wie auch in Heven eine keltische Stammsilbe mit der Bedeutung Berg, so dass Hegau als Berggau zu erklären ist. Rueger leitet Hegau von dem alten und gewaltigen Schloss Hewen mit Recht ab.
In diesem furchtbaren „lendlin“ kaum eine viertel Stunde von dem „fürnehmsten stättlin Stockach“ am Fuße der Nellenburg, deren Grafen einst über das Gebiet herrschten, liegt als einer der „vil schönen flecken“ das idyllische Dörflein Hindelwangen.
Wie ist nun die Besiedelung des Gebietes vor sich gegangen? Die ersten Spuren einer Ansiedlung führen uns in die Zeit der Pfahlbauten. Pfahlbauten sind am Bodensee häufig nachweisbar. Der Gebrauch von steinernen Geräten oder solchen aus Knochen kennzeichnet das 3. Jahrtausend vor Christus. Um 2000 treten Geräte aus Kupfer und Bronze, später von Eisen auf. Etwa um 800 vor Christus.
Die Pfahlbaumenschen sind wahrscheinlich Kelten gewesen. Zwischen 1000 und 500 vor Christus verschwinden die Kelten. Germanische Stämme wandern ein. Seit 16 vor Christus sind die Römer bis zur Donau vorgerückt. Sie legen Straßen an, bauen Castelle für ihre Besatzungstruppen. Eine Römerstrasse führte von Stockach über Ludwigshafen nach Bonndorf, eine andere von Stein am Rhein über Orsingen, Liptingen nach Tuttlingen, ebenso von Meßkirch nach Tuttlingen. In Meßkirch fand man Reste eines Römischen Gutshofes, ebenso bei Bodman und anderen Orten. Castelle standen auf der Nellenburg und bei Liptingen.
Um 260 nach Christus geht die Herrschaft der Römer in unserem Gebiet zu Ende. Die Alemannen treten an ihre Stelle. Die Alemannen siedelten nach Sippenverbänden in Dorfgemeinschaften und Einzelhöfen. Das häufige Vorkommen von Eigennamen in Verbindung mit Ortsnamen erweist dies deutlich, wie beispielsweise in Herdwangen (Hedo), Menningen (bei den Angehörigen des Mano), Sentenhart (Santo), Nenzingen (Nenzo), Hindelwangen (Hundilo) und andere mehr. Auch nach der großen Alemannenschlacht 496 bei Zülpich ging die Besiedlung weiter. Durch die Schlacht gerieten die Alemannen unter die Herrschaft der Franken, durch die das Christentum vermittelt wurde. Fridolin, Gallus, Kolumban sind die Glaubensboten für Südbaden und die angrenzende Schweiz, am Bodensee, vor allen Dingen Pirmin auf der Reichenau.
Der Hegau bildete nach der Vertreibung der Römer durch den germanischen Stamm der Alemannen seit der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts einen Teil des alemannischen Landes. In diese Zeit fällt die Entstehung von Hindelwangen. In der Karolinger Zeit, um 800, wurde der Hegau in mehrere Distrikte eingeteilt, und durch verschiedene Gaugrafen verwaltet.
Im 13. und 14. Jahrhundert begannen die Bildungen jener kleinen und kleinsten Herrschaftsbezirke, Bistümer, Reichsstädte, Klöster, Grafen, Ritter, Herren, Spitäler usw. Alle hatten ihre Hoheit, Hoheitsrechte und Gebiete, deren Gemarkungsgrenzen oft Dörfer halbierten. In Hopetenzell war die Johanniterkommende Überlingen Grundherr, in Schwackenreute die Stadt Radolfzell. Das Kloster Salem vereinigte seine Besitzungen im Amte mit Münchhof und Homberg, Hirschlanden, Brielholz, Grindelbuch, Dornsberg. Wahlwies, Espasingen, Mooshof, Spittelsberg gehörten der Herrschaft Bodman, Orsingen und Eigeltingen der Herrschaft Langenstein. Hindelwangen, Liptingen, Madach, Schwandorf, Nenzingen und Mahlspüren waren so genannte Kameralorte der Grafschaft Nellenburg.
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