Die Zeit der Römer

Kessi 11. Juni 2008

Im Jahre 15 vor Christus sandte der Kaiser Augustus (römischer Kaiser) seine beiden Stiefsöhne Trusus und Tiberius gegen die unruhigen Volksstämme im Norden des Römerreiches. Die Römer drangen bis an den See und Rhein vor. Auf dem Bodensee wurden die Kähne der Uferbewohner vernichtet. Bei den Kämpfen soll Tiberius eine Bodenseeinsel (Lindau) als Stützpunkt benützt haben und bis zu den Quellen der Donau vorgedrungen sein.

Die Römer gründeten Grenzfestungen, aus welchen zum Teil blühende Niederlassungen entstanden, so Brigantium (Pregenz), Constanzia (Konstanz). Die Römer drangen dann weiter nach Norden vor. In Trier, der ältesten deutschen Stadt residierte der römische Stadthalter Varus; die Porta Nigra und Überreste eines Theaters sind noch stumme Zeugen der Glanzzeit der Römerherrschaft in Deutschland.

Die bekannte Hermannschlacht im Teutoburger-Wald im Jahre 9 nach Christus vernichtete dann Varus und sein stolzes Heer. (Herrmann der Cherusker.) Die Römer mussten sich wieder nach Süddeutschland zurückziehen. Sie legten nun den berühmten Grenzwall oder Limes, der sich von Frankfurt über Osterburken gegen Augsburg hinzog.

Das von ihm geschützte Gebiet war das Zehntland. Es wurde mit ausgedienten römischen Soldaten und römischen Kaufleuten besiedelt. Die Römer bauten Strassen für ihre Heere, meistens über Höhenzüge hin. Eine solche Straße führte von Eschenz bei Stein über den Rhein. Bei niederem Wasserstand kann man dort die Überreste der Brückenpfeiler jetzt noch sehen. Eine weitere Strasse zog sich von Eschenz über Rielasingen-Singen an Orsingen vorbei nach Liptingen.

Auch von Meßkirch nach Tuttlingen führte eine Römerstrasse. Die römischen Militärstraßen waren sieben bis neun Meter breit, mit Kies beschottert, in den Niederungen dammartig erhöht und im sumpfigen Ried gepflastert. Meistens zogen die Straßen aber über die Höhenrücken, daher der Name Hochstraße. Flurnamen wie Steinäcker, Hochacker, Burgäcker weisen auf Römerstraßen hin. Längs der Straßen bauten die Römer Wachtürme oder Castelle für die Besatzung. Ein solches Castell stand bei Liptingen und auch auf der Nellenburg soll als erster Bau ein Römercastell gestanden haben (Gustav Schwab: Der Bodensee.)

Und gewiss haben die Römer als Bringer der Kultur den Abhang der Nellenburg mit edlen Reben bepflanzt. Römische Waffen aus einem Depotfund bei Braunenberg befinden sich in einem Museum in Zürich. Längs der Heerstraßen entstanden römische Niederlassungen. Sie waren bewohnt von römischen und gallischen Kaufleuten, Handwerkern und Veteranen. Nach 20 jähriger Dienstzeit erhielten nämlich die Soldaten das römische Bürgerrecht und ein Stück Land zur Bewirtschaftung.

Reges Leben begann sich nun in unserem Lande zu entfalten. Gewerbetätigkeit, Handel und Wandel blühten auf. Der Ackerbau wurde mit vollkommenen Geräten betrieben, Garten- und Obstbau eingeführt. Anstelle der hölzernen Blockhütten der Kelten und Germanen traten massive, geräumige Bauten aus Stein. Wo früher undurchdringende Wildnis geherrscht, entstanden freundliche Weiler und Dörfer und zahlreiche Einzelhöfe. Spuren solcher Niederlassungen fand man am Dettelbach, bei Wollmatingen und Hegne. Bei Meßkirch hat man die Ruinen eines großen römischen Bauernhofes ausgegraben. Die Ansiedlung war umgeben von 1.20 Meter hohen und 80 Zentimeter dicken Umfassungsmauern, 354 Meter und 310 Meter lang, 260 Meter und 216 Meter breit.

Das Hauptgebäude stand um einen viereckigen Innenhof, das Atrium. Unter den Gemächern befand sich ein Heizraum, ein so genannter Hypokaustum, 50-60 Zentimeter hoch, ein mit Backsteinfeiler gestützter Raum, in welchem durch Röhren heiße Luft geleitet wurde, also eine Art Zentralheizung. Der Fußboden war nicht aus Holz, sondern aus farbigen Steinplatten (Mosaik). Außer dem Hauptgebäude fand man auf dem Hofe noch Überreste von 11 anderen Gebäudlichkeiten. Außerhalb der Umfassungsmauern fand man die Ruinen eines Tempels mit Altar, aus dessen Inschrift hervorgeht, dass er einst der Göttin Diana geweiht war.

Andere Funde geben uns auch Kunde von der Lebensweise der Römer. Knochen von Schwein, Ferkel, Rind, Hund, Gans und von einem kleinen, ponnyartigem Pferd; Knochen von allerlei Wild: Hase, Reh, Hirsch, Fuchs, Dachs, also haben sie Jagd gemacht und getrieben. In einem Keller fand man ein paar Körbe voll Schnecken, die offenbar in gedeckeltem Zustand aufbewahrt wurden.

Prächtig waren besonders die Städte angelegt: ein großer Marktplatz, das Forum, darum Tempel, öffentliche Bäder (Thermen), Säulenhallen, Paläste. Ihre Toten bestatteten sie teils in Gräbern mit Zugaben: Ohrringe, Gürtelschnallen usw. Teils wurden sie verbrannt und die Asche in Urnen beigesetzt (Urnengräber).

Etwa 200 Jahre hat die Römerherrschaft in unserer Gegend gedauert. Da stürmten die Alemannen den Grenzwall und vertrieben die Römer aus dem Zehntland. Diese mussten bis an den Rhein zurück. Die Alemannen hatten keinen Sinn für Kultur; sie zerstörten die römischen Niederlassungen und Befestigungen, traten die Anpflanzungen nieder, zerstörten alles, was ihre verhassten Feinde, die Römer, aufgebaut hatten und rotteten auch das teilweise eingeführte Christentum wieder aus. Seit dem Jahre 260 war das Land auf der rechten Seite des Rheins dem römischen Reiche für immer verloren.

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